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Der spektakuläre Fall der Super League (nd-aktuell.de)


Vor leeren Rängen: Die strengen Corona-Regeln führen in Chinas höchster Spielklasse oft zu Spielen ohne Zuschauer.

Foto: IMAGO/Xinhua

Das neue Arbeiterstadion in der Pekinger Innenstadt symbolisiert den Stand des chinesischen Fußballs: Hunderte Bauarbeiter haben Tag und Nacht hart gearbeitet, um eine moderne Sportstätte zu errichten, die nun – zwei Jahre nach dem Spatenstich – fast fertig ist. Hier sollten im kommenden Sommer die Finalisten der Asienmeisterschaft vor mehr als 60.000 Zuschauern eintreffen.

Doch nach derzeitigem Stand dürften die Ränge des ikonischen Prestigeprojekts noch auf Jahre leer bleiben: Aufgrund der Covid-Beschränkungen hat das Gastgeberland kürzlich auf die Ausrichtung des Turniers verzichtet. Und auch Beijing Guoan, der traditionelle Fußballverein der Hauptstadt, ist inzwischen ins 600 Kilometer entfernte Rizhao umgezogen, da die Einreisebeschränkungen nach Peking verschärft wurden.

Kaum eine andere Fußballliga der Welt steht noch so sehr im Schatten der Corona-Maßnahmen wie die chinesische „Super League“. An diesem Wochenende brachte die „Null-Covid“-Politik den Fußball sogar komplett zum Erliegen: Zwei Spieltage wurden wegen lokaler Infektionsausbrüche auf Ende September verschoben. Wann der Rest der Saison ausgetragen wird, ist noch offen.

Planen konnten die heimischen Fußballfans schon lange nicht mehr. Seit Anfang August wurden bereits 15 Spiele verschoben. Die Organisatoren haben zuvor mehrere Spiele hintereinander in ausgewählten Städten angesetzt, um unnötige Reisen der Mannschaften zu vermeiden. Die Spiele fanden oft ohne Zuschauer statt.

Die Volksrepublik China verfolgt seit Beginn der Pandemie eine strikte Null-Toleranz-Politik, an deren Prämisse sich bis heute nichts geändert hat: Das Virus soll von den eigenen Landesgrenzen vollständig ausgerottet werden. Demnach muss die Bevölkerung in praktisch allen Städten alle paar Tage an Massentests teilnehmen – und sobald ein Infektionsausbruch registriert wird, einen strikten Lockdown befürchten.

Es ist schon erstaunlich, dass die epidemiologischen Maßnahmen auch die chinesische Fußballliga lahmlegen. Denn noch vor wenigen Jahren schien ihr Aufstieg schier grenzenlos: Staatschef Xi Jinping, selbst Fan des runden Leders, hat das Großprojekt Fußballmacht zur Chefsache erklärt. Ziel war es, die Volksrepublik China bis 2050 an die Weltspitze zu führen. Und die heimischen Unternehmen folgten in vorausschauendem Gehorsam: Sie investierten immer absurdere Summen in die chinesischen Clubs, die wiederum auf Einkaufstour im Ausland gingen.

Die Teams kauften nicht nur alternde Stars auf, sondern zunehmend auch Spieler, die auf ihrem Höhepunkt waren. Der ehemalige brasilianische Nationalspieler Oscar wechselte etwa 2017 im Alter von 25 Jahren nach Shanghai – für eine Ablösesumme von über 60 Millionen Euro.

Auch der inzwischen pensionierte Mittelstürmer Carlos Tévez wechselte 2017 nach Shanghai, wo ihm ein stattliches Jahresgehalt von 40 Millionen über einen Zweijahresvertrag zugesagt worden sein soll. Damit war er damals der bestbezahlte Spieler aller Zeiten. Nach sieben Monaten, in denen der Argentinier nur vier Tore erzielte, ist er jedoch bereits in seine Heimat zurückgekehrt. Als „Urlaub“ bezeichnete der 38-Jährige seine Zeit in der Volksrepublik China.

Trotz der sportlichen Misserfolge wurde die „Chinese Super League“ in Europa mit Argusaugen betrachtet. Der damalige Chelsea-Manager Antonio Conte sagte: „Der chinesische Markt ist eine Gefahr für alle. Nicht nur für uns, sondern für alle Teams auf der ganzen Welt«. Es wurde befürchtet, dass die Teams aus Fernost die einheimischen Talente wegkaufen würden.

Doch solche Befürchtungen sollten sich nicht bewahrheiten – im Gegenteil. Die meisten internationalen Spieler haben das Land längst in Scharen verlassen. Das liegt vor allem an den Gehaltsobergrenzen, die die chinesische Liga 2020 eingeführt hatte, nachdem einzelne Klubs bis zu 80 Prozent ihres Budgets in Auslandstransfers investiert hatten. Auch die anhaltenden Quarantänebeschränkungen haben die Attraktivität der Volksrepublik massiv reduziert.

Aber die Pandemie traf im Grunde eine Sportbranche, die sich ohnehin schon in einer schweren Krise befand. Dies liegt vor allem an der wirtschaftlichen Lage des Landes. Gerade der Immobiliensektor ist einer der offensichtlichsten Problembereiche und einige Experten sprechen bereits von einer Blase. Genau diese Branche war als Fußballinvestor überproportional vertreten.

Für viele der 18 Teams geht es nicht mehr nur um den sportlichen Erfolg. Ihr oberstes Ziel ist derzeit: ohne Pleite durch die Saison zu kommen.