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Der „Polizeiruf“ im Schnellcheck: Adam und Eva


Der „Polizeiruf“ im Schnellcheck


Adam und Eva

Von Ingo Scheel

Sie waren am „Abgrund“, jetzt sind sie einen Schritt weiter: Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) hat in seinem letzten Fall ein weiteres großes Problem. Der Tod eines jungen Geologen reißt zahlreiche alte und neue Wunden auf.

Was ist los?

Die Leiche von Magdalena Nowak wird in der Nähe des Dorfes Fehlow am Rande eines ehemaligen Braunkohlereviers gefunden. Der polnische Geologe wurde mit einer Plastiktüte erstickt. Kriminalhauptkommissar Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) und Kriminalkommissarkandidat Vincent Ross (André Kaczmarczyk) befragen zunächst ihren Freund Tom Grabowski (Patrick Kalupa), der ihnen von ihrem Wohnmobil unten am Wasser und dem Bodengutachten in diesem ehemaligen Bergbaugebiet erzählt , die touristisch erschlossen werden soll. Für die Bewohner Fehlows ein Projekt, von dem die Zukunft des gesamten Quartiers abhängt, auch wenn die Meinungen auseinander gehen.

Die Kommissare ermitteln auf dem Gelände eines ehemaligen Braunkohlereviers in der Lausitz.

(Foto: rbb/Christoph Assmann)

Schließlich wird eine weitere Leiche gefunden, die auf einen jahrelangen Vermisstenfall hinweist, und die Dinge werden viel komplizierter. Welche Rolle spielt Toms Bruder Andreas (Peter René Lüdicke)? Was verschweigt der langjährige Pfarrer des Dorfes, Simon Bredow (Steven Scharf)? Und dann ist da noch Eva Wozniak (Anja Antonowicz), die das Dorfgasthaus betreibt und Raczek, der mindestens genauso sehr mit sich ringt wie mit dem Fall, eine starke Schulter bietet – und womöglich auch die Aussicht auf ein Happy End?

Worum geht es wirklich?

Adam Raczek läuft auf Reserve. Panikattacken, Tabletten, kreisende Gedanken, der Mann ist am Ende. Der noch neue Kollege Vincent Ross hilft zunächst wenig. Spricht wie ein Idiot, neigt zum Meckern und Raczek hat sich immer noch nicht ganz daran gewöhnt, dass sein Kollege Eyeliner und Pelzkragen trägt. Aber das Blatt wendet sich. Und dann ist da noch der Fall, die Fälle selbst…

Zap-Moment?

Gerne zitiere ich meinen Kollegen Vetten, der es Anfang des Jahres in seiner Kritik am ersten Fall Vincent Ross so trocken auf den Punkt brachte: Lange überlegt, keinen gefunden.

Wow-Faktor?

Von allem ein bisschen: Regisseur Stephan Rick („Unter Nachbarn“) und Kameramann Felix Cramer fangen ein, was das Drehbuch von Peter Dommaschk und Ralf Leuther gelegentlich etwas ins Stocken gerät. Der neblige Fokus wird unterstützt durch atmosphärische Bilder und Perspektiven, mal filmreif weit, mal so nah an den abgewetzten Holzdielen der alten Knappenhäuser, dass man förmlich den Kohl in der Nase riecht.

Wie war es?

8 von 10 Punkten – der Fall franst aus, ist aber in puncto Atmosphäre, Spannung und Dramatik dennoch sehr gelungen. „Abyss“ ist ein starkes Stück Lokalgeschichte, das die erklärenden Dialoge dankenswerterweise merklich im Zaum hält.