Politische Nachrichten

CSU-Parteitag in Augsburg – Begabte Erzähler weißer und blauer Geschichten


Die „weiß-blauen Geschichten“ – das war in den 80er Jahren ein echter Quotenhit im deutschen Fernsehen. Das Erfolgsrezept: ein augenzwinkerndes Drehbuch, das manchmal ins Absurde abgleitet.

Markus Söder ist auch ein besonders begabter Erzähler weiß-blauer Geschichten. Die Geschichte musste er in Augsburg in groben Zügen erzählen: Die Krise ist massiv – die Ampel in Berlin ist eine Katastrophe – die CSU führt die Bayern durch die schwierige Zeit – eine Ampel in München – das wäre das Letzte, was du tust brauchen .

Spätestens seit seinem Auftritt bei der Schwesterpartei in Hannover ist klar, wen er als Hauptgegner an der Ampel ausgemacht hat: nämlich die Grünen.

Grüne nützen in der Krise nichts

Allen voran Robert Habeck – der mit der Gasabgabe gescheitert war – und ansonsten überfordert wirkte. Die Entscheidung, die drei verbleibenden Atomkraftwerke nur noch bis April nächsten Jahres laufen zu lassen: ein Riesenfehler – und für die Grünen rein ideologisch motiviert. Es gibt auch Klatsch und Tratsch über Wachsamkeit – also politisch korrekte Politik –, Hofreiters Frisur, Geschlechtersprache und angebliche Verbotspolitik in Sachen Ernährung. Die Grünen sind eine reine Schönwetterpartei – in der Krise nicht zu gebrauchen.

Welch ein Kontrast zu den Avancen und Flirts der jüngeren Vergangenheit – als Söder noch auf die Kanzlerkandidatur hoffte – und ein mögliches schwarz-grünes Bündnis auf Bundesebene – mit ihm als Kanzler an der Spitze.

Ob solche Söder-Twists bei der kommenden Landtagswahl schaden, bleibt abzuwarten. Die Delegierten wirken zufrieden – der Applaus war hier bei den Bündnisgrünen am größten.

2021 darf auf keinen Fall wiederholt werden

Bemerkenswert ist allerdings, dass sich Söder kaum der AfD zuwendet – auch in Bayern erleben Rechtspopulisten seit Monaten einen neuen Aufschwung. Inhaltlich hinterherzujagen kann man Söder nicht vorwerfen. Ob es aber ausreicht, die Christlichsozialen als alternativlos hinzustellen, darf zu Recht bezweifelt werden.

Nur eines wurde so stark betont wie die angebliche Unfähigkeit der Ampel – nämlich die neue Einheit von CDU und CSU. Unvergessen das Bild, als Horst Seehofer Angela Merkel für ein paar Minuten auf dem Podium stehen ließ, um ihr die Krawallakte in der Flüchtlingspolitik vorzulesen – unvergessen aber auch die Schwerstarbeit, die von Markus Söder kam, als Armin Laschet längst als Kandidat feststand Kanzler. Beide: CDU und CSU scheinen endlich verstanden zu haben: So etwas wie 2021 darf sich auf keinen Fall wiederholen. Dass Söder seine Ambitionen als nächster Kanzler beerdigte, mag zum erneuten Frieden zwischen den Unionsparteien beigetragen haben.

In Augsburg haben Merz und Söder den Ton angeschlagen, den wir in den kommenden Monaten hören werden. Ob sich die Södersche Version der weiß-blauen Geschichten als Quotenhit erweisen wird – das wird sich im Herbst nächsten Jahres zeigen müssen.

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"