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Corona-Rekordwerte: Lockdowns bremsen Chinas Wirtschaft


Stand: 25.11.2022 13:54 Uhr

Die Null-Covid-Strategie hat massive Auswirkungen auf Chinas Wirtschaft. Experten schätzen, dass mehr als ein Fünftel der Wirtschaftsleistung betroffen sein wird. Das macht auch die deutsche Wirtschaft nervös.

In der Corona-Welle in China hat die Zahl der Neuinfektionen den höchsten Stand seit Ausbruch der Pandemie vor knapp drei Jahren erreicht. Wie die Gesundheitskommission in Peking mitteilte, wurden 32.695 neue Fälle gemeldet. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen hat sich in zwei Wochen mehr als verdreifacht.

In Metropolen wie Peking, der schwer betroffenen südchinesischen Stadt Guangzhou oder in Chongqing gelten weitreichende Bewegungseinschränkungen. In der Hauptstadt wurden Restaurants, Geschäfte und Schulen geschlossen – nur Supermärkte und Märkte waren noch für den Lebensmitteleinkauf geöffnet. Beschäftigte müssen im Homeoffice arbeiten. Die 21 Millionen Pekinger wurden aufgefordert, ihre Häuser möglichst nicht zu verlassen.

Erneuter Hochstand an neuen Corona-Fällen in China – Metropolen verwandeln sich in Geisterstädte

Tamara Anthony, ARD Peking, Tagesschau um 12:00 Uhr, 25.11.2022

Neuer Rekord bei Neuinfektionen

Die Auswirkungen auf die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt sind enorm: Experten des japanischen Finanzkonzerns Nomura schätzten, dass etwas mehr als ein Fünftel der chinesischen Wirtschaftsleistung vom Lockdown betroffen war – doppelt so viel wie im Oktober, wie die Finanzagentur Bloomberg berichtete.

Der bisherige Höchststand an Neuinfektionen aus April wurde bereits gestern übertroffen. Damals wurde die ostchinesische Hafenmetropole Shanghai für zwei Monate in einen strikten Lockdown versetzt.

China hält an seiner strikten Null-Covid-Strategie fest. Wohngebiete werden in Einzelfällen abgeriegelt. Kontaktpersonen kommen in Quarantänelager, Infizierte werden im Krankenhaus isoliert. Jeden Tag gibt es Massentests, die die Finanzen der Kommunen schwer belasten. Die neuen Omicron-Varianten werden für die rasante Zunahme von Infektionen verantwortlich gemacht, die sich leichter ausbreiten und damit die Präventionsmaßnahmen in China unterlaufen.

Abriegelung in Zhengzhou

Rund um die größte iPhone-Fabrik des Landes in der Stadt Zhengzhou, wo es zuletzt zu gewalttätigen Protesten gekommen war, wurde gestern ein Lockdown über mehr als sechs Millionen Menschen verhängt. Sie gilt ab heute zunächst für fünf Tage. Mehr als die Hälfte der Einwohner der Stadt sind vom Lockdown betroffen. Bewohner der Innenstadt dürfen das Areal vorerst nur mit negativem Corona-Test und behördlicher Erlaubnis verlassen. Außerdem wird empfohlen, das Haus nur in dringenden Fällen zu verlassen.

Sorgen in der deutschen Wirtschaft

Der Anstieg der Infektionszahlen und die in China verhängten Lockdowns bereiten der deutschen Wirtschaft Sorgen. „Chinas Festhalten an der Null-Covid-Politik in Kombination mit den exzessiven Lockdowns auch bei vereinzelten Krankheitsfällen erschweren die für den deutschen Handel so wichtigen Geschäftsbeziehungen mit dem Reich der Mitte“, so Außenhandel Präsident Dirk Jandura von der Nachrichtenagentur Reuters. Für die bilateralen Handelsbeziehungen und auch für den Welthandel bringt dies erneute Unsicherheit in den Lieferketten und belastet die wirtschaftliche Entwicklung auf breiter Front.

„Wir haben die Staus vor den chinesischen Häfen Anfang des Jahres noch in schlechter Erinnerung. Die Folgen waren für viele unserer Groß- und Außenhändler bis weit ins Jahr hinein spürbar“, sagte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel , Außenhandel und Dienstleistungen (BGA).

Trotz Verzögerungen in den Lieferketten müsse sich in Deutschland niemand um leere Regale im Handel sorgen, betonte der Branchenverband HDE. „Die Händler haben sich weitgehend auf die Herausforderungen eingestellt, Lieferrouten geändert, neue Lieferanten gefunden und früher bestellt.“

Chinas Exporte und Importe sind rückläufig

Die Regierung in Peking peilt für dieses Jahr ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von rund 5,5 Prozent an. Im vergangenen Jahr wurde ein Plus von 8,1 Prozent erzielt, da profitierte der Exportweltmeister von der Erholung der Weltwirtschaft von der Corona-Krise.

Doch obwohl die Regierung die Wirtschaft seit Ende Mai mit zahlreichen Maßnahmen stützt, haben die rigide Null-Covid-Politik und der globale Wirtschaftseinbruch zuletzt die Welthandelsmacht ausgebremst. Im Oktober brachen erstmals seit fast zweieinhalb Jahren sowohl Exporte als auch Importe ein – ein weiteres Zeichen dafür, dass die einst boomende Wirtschaft in Schwierigkeiten gerät.

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