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Corona-Pandemie: China entspannt sich – aber ohne Gesamtkonzept


Stand: 05.12.2022 08:43 Uhr

China kippt einige seiner strengen Corona-Auflagen, aber in jeder Stadt gelten andere Regeln. Ein echtes Konzept fehlt offenbar – was viele Menschen im Land verunsichert.

Von Benjamin Eyssel, ARD Studio Peking

Peking am Montagmorgen: Die chinesische Hauptstadt wirkt etwas belebter, Geschäfte dürfen seit dem Wochenende wieder öffnen, nachdem sie zwei Wochen lang weitgehend geschlossen waren. Ab sofort sind keine negativen PCR-Tests mehr notwendig, um den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen. Viele Corona-Teststationen sind geschlossen oder werden abgebaut, bis vor wenigen Tagen wurden dort oft täglich Menschen getestet.

Benjamin Eisel
ARD-Studio Peking

Für das Betreten von Büros, öffentlichen Gebäuden und Geschäften braucht man aber oft noch einen negativen Corona-Test. An den restlichen Teststationen bilden sich daher lange Schlangen. „Ich denke, es ist noch zu früh, die Teststationen abzubauen“, sagt ein 38-jähriger Anwohner. „Die Teststationen sollten erst geschlossen werden, wenn wir nicht mehr für alle Aktivitäten einen Test vorweisen müssen.“

Gesamtkonzept zur Lockerung fehlt

„Jetzt befinden wir uns in einer Art Übergangszeit“, sagte eine 76-jährige Frau:

Alles ist ungewiss. Die Leute wissen nicht, was passiert. Dies ist die aktuelle Situation. Die Regierung hat nicht klar gesagt, dass keine Tests mehr erforderlich sind. Deshalb ist es relativ chaotisch. Das ist in jeder Stadt anders.

Nicht alle Städte und Regionen gehen bei Lockerungen gleich vor. Einige Orte öffnen Restaurants und Fitnessstudios, andere Städte bleiben strikt. Ein Gesamtkonzept für den Ausstieg aus Zero-Covid fehlt noch.

Viele ältere Menschen sind noch nicht geimpft

Der Manager eines Kinos in der Stadt Zhengzhou in der Region Henan berichtet im chinesischen Staatsfernsehen, dass es wieder öffnen darf. Natürlich wird alles gründlich desinfiziert. Auch staatliche Medien berichten, dass der Omicron-Subtyp des Coronavirus nicht mehr so ​​gefährlich ist wie frühere Varianten. Ein Problem bleibt jedoch, dass Millionen ältere Menschen nicht ausreichend geimpft sind. Wenn sich das Virus ungebremst ausbreitet, könnte das Gesundheitssystem zusammenbrechen.

Seit einigen Tagen werden positiv Getestete nicht mehr zwingend in eine staatliche Isoliereinrichtung gebracht. Die Behörden erlauben einigen Menschen, sich zu Hause zu erholen – eine Premiere in China. Potentielle Kontaktpersonen werden vielerorts nicht mehr gezwungen, sich zu isolieren.

Eröffnungszüge folgen landesweiten Protesten

China meldete kürzlich Rekord-Infektionszahlen. Experten gehen davon aus, dass die Zahlen durch die Lockerungen weiter steigen werden. Dies spiegelt sich jedoch nicht in der offiziellen Corona-Statistik wider. Dort sind die Zahlen seit Tagen rückläufig, was wohl daran liegt, dass deutlich weniger Tests durchgeführt werden.

Die Lockerung kommt nach Protesten gegen die strengen Regeln Ende November. Ob ein Zusammenhang besteht, ist unklar. In den letzten Tagen gab es keine Anzeichen für nennenswerte Proteste. Unter anderem in Shanghai und Peking zeigte die Polizei verstärkt Präsenz an den Orten, an denen vor einer Woche noch Demonstrationen stattfanden.

Zero-Covid: China lockert – aber ohne Gesamtkonzept

Benjamin Eyssel, ARD Peking, 5. Dezember 2022 7:41 Uhr