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„Cool bleiben und kämpfen“ (nd-aktuell.de)


Unwiderstehlich und kraftvoll von hinten: Paul Drux

Foto: imago/camera4+

Wie fühlt sich der erste Platz in der Handball-Bundesliga für einen Fuchs aus Berlin an?

Das ist riesig. Ich schaue immer gerne auf den Tisch. Natürlich weiß ich auch, dass die Tabellensituation nach acht Spieltagen nur eine Momentaufnahme ist. Bis zum letzten Spiel der Saison liegt noch ein langer, harter Weg vor uns.

Die Füchse liegen nicht nur mit den meisten Punkten vorne, ihr Team hat auch die meisten Tore erzielt. Ist das die neue Qualität der Füchse?

In dieser Saison zeichnen wir uns durch unser gesteigertes Tempospiel und unsere gute Abwehr aus. Wir schießen in fast jedem Spiel 30 Tore und lassen den Ball meist gut laufen.

Sportdirektor Stefan Kretzschmar warnt immer wieder vor Euphorie. Hat er Recht?

Natürlich hat er recht. Bei aller Freude müssen wir auf dem Boden der Tatsachen bleiben, denn in der Bundesliga geht es sehr eng zu. Neben den üblichen Meisterschaftsverdächtigen wie Flensburg-Handewitt, Kiel oder den Rhein-Neckar Löwen blühte in Hannover plötzlich ein neuer Titelanwärter auf. Cool bleiben und kämpfen ist also angesagt.

Sie sind seit elf Jahren im Fuchspelz. An welchen Erfolg erinnern Sie sich am liebsten?

Zwei Siege sind mir besonders in Erinnerung geblieben. Das war 2014, als wir den DHB-Pokal gewonnen haben. Noch etwas schärfer war der Sieg im EHF-Cup-Finale gegen die Franzosen von Saint-Raphael in Magdeburg 2015.

Acht Deutsche, vier Dänen, zwei Schweden, zwei Serben, ein Kroate, ein Russe und ein Montenegriner spielen für die Füchse. Wie kommuniziert ihr miteinander?

Meist auf Deutsch. Es funktioniert besonders gut mit den Dänen und Schweden. Sie haben unsere Sprache in der Schule gelernt. Englisch sprechen wir nur mit dem Russen Viktor Kireyev.

Welche Aufgaben haben Sie bei den Füchsen als Kapitän besonders zu erfüllen?

Zunächst einmal ist es für mich eine große Ehre, Kapitän einer solchen Mannschaft zu sein. Aber natürlich trage ich auch Verantwortung und muss versuchen, viele Interessen unter einen Hut zu bringen. Wichtig sind die Gespräche mit Trainer Jaron Siewert und Sportdirektor Stefan Kretschmar. Natürlich muss ich in diesen Gesprächen mit den Chefs die Interessen der Mannschaft vertreten.

Bundesliga, DHB-Pokal, EHF-Pokal allein mit zehn Gruppenspielen – wird das am Ende nicht ein bisschen viel?

Die Diskussionen kommen jedes Jahr aufs Neue. Die Belastung ist natürlich wahnsinnig hoch, zumal ja auch die Spiele in der Nationalmannschaft anstehen. Doch Trainer Jaron Siewert versteht es, die Last geschickt zu verteilen.

Welcher Trainer hat dir in Berlin besonders gut gefallen?

In seiner Jugend war das zweifellos Bob Hanning. Von ihm habe ich gelernt, was Leistungssport im Handball bedeutet. Bei den Profis habe ich viel vom Isländer Dagur Sigurðsson mitgenommen. Jaron Siewert gibt mir jetzt das Gefühl, dass unsere Beziehung auf einer besonders hohen menschlichen Ebene ist.

Was ist deine lieblings Position?

Das ist zweifelsohne das linke Rückfeld. Auf dieser Position macht mir das Spiel am meisten Spaß, obwohl man da nicht zimperlich sein darf. Ich probiere immer gerne Würfe von hinten aus.

Sie scheinen in dieser Saison mehr aufs Tor zu schießen als früher und haben bereits 17 Tore erzielt. Hat sich Ihr Spielstil verändert?

Ich glaube nicht, dass sich meine und unsere Spielweise grundlegend geändert hat, aber momentan läuft es sehr gut. Dadurch habe ich mehr Torchancen.

Sollte es im Handball Playoffs geben wie in Deutschland im Eishockey, Fußball und Basketball?

Ich verstehe den Reiz der Playoffs. Aber ich bin konservativ. Wir haben sowieso genug Spiele. Wer sich nach 34 Spielen durchgesetzt hat, ist Meister. Punkt. Sie müssen nicht siebenmal gegeneinander spielen.

Welche Rolle spielt Geld im Handball? Wird nur der finanzstärkste Champion?

Ich hoffe nicht. Natürlich ist eine gute finanzielle Basis wichtig. Mehr Geld bedeutet mehr Möglichkeiten. Ein guter Teamgeist und das Engagement des gesamten Teams zählen für mich aber nach wie vor zu den wichtigen Grundlagen für einen Titelgewinn oder gute Platzierungen.

Sie haben bisher 115 Spiele für die Nationalmannschaft bestritten. Wie wichtig sind Ihnen diese Einsätze?

Ich empfinde es als große Ehre, mein Heimatland im Nationaltrikot vertreten zu dürfen. Ich freue mich über jede Einladung in die Nationalmannschaft, mit der ich beispielsweise 2016 Olympia-Bronze gewinnen konnte.

Ihr Teamkollege Hans Lindberg ist mit 41 Jahren immer noch ein internationaler Topspieler. Wie sehen Sie ihn?

Es gibt nicht so viele Hüte, wie ich Hans abnehmen möchte. Es ist ein großes Glück, mit so einem Spieler zu spielen. Er ist ein rundum Vorbild für uns alle.

Zum Team gehören auch sechs 20-jährige Spieler wie Tim Freihöfer und Nils Lichtlein, die beide bereits Torschützenkönige sind. Wie sehen Sie die Entwicklung?

Die Füchse haben ein ideales System, in dem sich junge Spieler gut entwickeln können. Du bekommst Einsätze bei uns und mit Förderlizenzen beim VfL Potsdam in der 2. Liga. In ein, zwei Jahren werden diese Spieler wahrscheinlich auch international spielen. Unsere Nachwuchsförderung in Verbindung mit der Sport-Eliteschule ist vorbildlich und wird europaweit gelobt. Auch zahlreiche Junioren-Meistertitel sprechen dafür.



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