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Charles M. Schulz wäre 100: Der „Peanuts“-Schöpfer ließ Kinder an die Macht


Schon als Kind kannte Charles M. Schulz nur ein Ziel: seinen eigenen Comic. Das ist dem vor 100 Jahren geborenen Zeichner gelungen. Auch lange nach seinem Tod leben die „Peanuts“, in denen sich Schulz verewigt hat, weiter.

Charles M. Schulz traf in seiner Jugend mehrere Personen namens Charles Brown. Von ihnen entlehnte er den Namen seiner berühmtesten Comicfigur: Charlie Brown. Der Junge mit dem gelb-schwarzen Hemd und sein Hund Snoopy stehen im Mittelpunkt des wohl berühmtesten Comicstrips, der „Peanuts“. Fast 50 Jahre lang zeichnete Schulz die Abenteuer von Charlie und seinen Freunden – „Peanuts“ war ein liebevoller Euphemismus für Kinder, als der Streifen 1950 entstand. Der letzte Streifen erschien nur wenige Stunden nach dem Tod des Künstlers im Februar 2000.

Lebt seinen Kindheitstraum: Zeichner Charles M. Schulz, hier 1971.

(Foto: dpa)

Seitdem sind mehr als 20 Jahre vergangen, aber die „Peanuts“ sind so präsent wie eh und je – auch jetzt, wo ihr Schöpfer am 26. November 100 Jahre alt geworden wäre. Alte Streifen werden immer noch in einer Reihe von Zeitungen gedruckt, und Waren, die von T-Shirts bis hin zu Kissen und Tassen reichen, sind immer noch erhältlich. Sogar neue Filme und Zeichentrickserien entstehen unter Beteiligung der Witwe und der Kinder des Karikaturisten.

Die „Peanuts“ haben nichts von ihrem Humor verloren. Und nichts von ihrer Aktualität. Nahezu zeitlos erzählt die Streifenserie vom Alltag einer Gruppe von Kindern, von ihrer Freundschaft, ihrem Zusammenhalt, aber auch von Ängsten und Nöten. „Bei Sparky ging es um Menschlichkeit, darum, was es bedeutet, Freunde zu haben, Streit, Enttäuschung und Freude“, sagt die Witwe des Künstlers, Jean Schulz, der Deutschen Presse-Agentur. Sie bewahrt die Erinnerung an ihren Mann, zu dem auch das Charles M. Schulz Museum in Santa Rosa, Kalifornien, gehört.

Ein schüchternes und ängstliches Kind

Charles M. Schulz wäre 100: Der „Peanuts“-Schöpfer ließ Kinder an die Macht

Der erste „Peanuts“-Streifen erschien am 2. Oktober 1950.

(Foto: dpa)

Doch der Erfolg von Schulz kam nicht von ungefähr. Schon als Kind träumte er davon, einmal einen eigenen Comicstrip zeichnen zu können, wie Comic-Experte Andreas C. Knigge in dem umfangreichen Hommageband „…and Charles M. Schulz schuf die Peanuts“ schreibt, der im Januar erschienen ist von Carlsen und enthält neben zahlreichen Streifen auch einige Texte zum Werk. In seinem ausführlichen biografischen Essay schildert Knigge den Werdegang von Schulz, der jahrelang hart für seinen Traum arbeitete und sich von der Weltwirtschaftskrise, dem Wehrdienst oder den vielen Absagen von Verlegern nicht unterkriegen ließ.

Man erfährt aber auch von seinen deutschen Wurzeln – der Vater wurde in Stendal geboren –, von der ständigen Unterstützung seiner Eltern, die ihr knappes Geld in die Zeichnerausbildung ihres Sohnes steckten, und von den vielen Inspirationen, die später in den „Peanuts“ zu finden waren “, darunter nicht zuletzt die Namen der Hauptfiguren.

Charles M. Schulz wäre 100: Der „Peanuts“-Schöpfer ließ Kinder an die Macht

Schulz‘ Arbeitszimmer, nachgebaut im „Peanuts“-Museum.

(Foto: dpa)

Aber nicht nur Hartnäckigkeit und Beharrlichkeit machten Schulz zu einem der erfolgreichsten Comiczeichner, dessen fast 18.000 Streifen in mehr als 2.600 Zeitungen gedruckt und von mehr als 355 Millionen Menschen in 75 Ländern gelesen wurden. Dazu kam seine schüchterne Art, die jedoch immer von Ängsten begleitet war. Schulz liebte es, allein in dem stillen Kämmerchen an seinem Zeichenbrett zu sitzen. Auch nachdem sein Streifen längst ein weltweiter Erfolg war, verlor er nie seine Neugier und Bodenhaftung – seit seiner Kindheit nannten ihn Freunde einfach „Sparky“, nach einer Comicfigur.

„Alles, was ich bin, fließt in den Streifen“

Auch seine Charaktereigenschaften ließ der Zeichner in seine Protagonisten einfließen. „Jeder, der den Strip ein paar Wochen verfolgt, kennt mich, denn alles, was ich bin, fließt in den Strip, das bin ich“, sagte Schulz einmal. Die Unsicherheit und der Ernst von Schulz‘ Kindheit spiegeln sich in Charlie Brown, seine Liebe zum Zeichnen und zu fantastischen Welten spiegeln sich in Snoopy wider, der gerne ein weltberühmter Autor werden möchte, aber auch als Fliegerass im Ersten Weltkrieg auftritt. Dazu kommen Lucys Sarkasmus und Linus‘ Faible für Philosophie und Religion – auch sie repräsentieren Eigenschaften ihres Schöpfers.

Der Streifen zeichnet sich aber auch dadurch aus, dass er seine Charaktere nicht zu kleinen Erwachsenen macht – sie spielen in diesem Universum kaum eine Rolle. Es ist eher umgekehrt: Die Freuden, Probleme und Ängste, die die Kinder haben, unterscheiden sich kaum von denen ihrer Eltern. Auch sie erleben Liebeskummer und Frustration, bestehen Abenteuer oder reißen sich nach Niederlagen wieder zusammen. Viele Leser finden sich darin wieder, ebenso wie in der typisch amerikanischen Vorstadtsiedlung, in der der Streifen meistens spielt.

Welcher „Peanuts“-Fan würde nicht gerne mit Charlie Brown Baseball spielen, Schröder Klavier spielen lauschen oder sich bei Lucy am Holzstand psychologischen Rat holen. Gerade weil er aus seiner eigenen Kindheit, seinen eigenen Abenteuern und Erfahrungen schöpfte, schuf Schulz Charaktere, deren Freundlichkeit und Skurrilität jeder nachempfinden kann. Der Künstler sagte einmal, er wolle nur als jemand in Erinnerung bleiben, der einen guten Comic gezeichnet habe. 100 Jahre nach seiner Geburt, gut 20 Jahre nach seinem Tod, ist dieser Wunsch in Erfüllung gegangen.