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Burkina Faso wird zum Terror-Hotspot (nd-aktuell.de)


Männer auf Mopeds, Motorrädern und einem Fahrrad fahren an einer Moschee in Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso, vorbei. Neben dem gemäßigten Islam breiten sich in Burkina auch Islamisten aus.

Foto: dpa/Nicolas Maeterlinck

Die Bundeswehr ist seit Jahren nicht nur in Mali, sondern in der gesamten Sahelzone aktiv. In Mali ist die Bundeswehr an der EU-Ausbildungsmission EUTM (European Union Training Mission Mali) beteiligt, die von dort aus in allen fünf Sahel-Staaten aktiv ist: Mauretanien, Mali, Burkina Faso, Niger und Tschad. In Mali selbst wird der Einsatz nun zurückgefahren, weil die Putschregierung aus deutscher Sicht kein verlässlicher Partner ist.

Der neue Fokus gilt für Niger als wichtiges Transitland. Trotz wachsender Instabilität bleibt Burkina Faso am Rande. Dort regiert wie in Mali seit dem Putsch im Januar 2022 eine Militärjunta. „In Burkina Faso gibt es mehr Anschläge als in Mali. Burkina Faso ist das neue Epizentrum der Dschihadisten in der Sahel-Region“, sagte Ulf Laessing, Leiter des Sahel-Programms der Konrad-Adenauer-Stiftung in Malis Hauptstadt Bamako, der „nd“.

Anfang September ereignete sich im von Terroristen kontrollierten Norden des westafrikanischen Landes einer der schlimmsten Anschläge der letzten Jahre. Eine Explosion tötete 35 Zivilisten und verletzte mindestens 37, einige davon schwer. Am 22. September kam es laut lokalen Quellen zu erneuten Angriffen auf Zivilisten im Norden. Aber nicht nur Burkina Faso ist seit vielen Jahren stark von Terror betroffen, sondern die gesamte westafrikanische Sahelzone.

Angesichts der terroristischen Bedrohung setzt Burkina Faso, wie auch seine Nachbarn Togo und Niger, zunehmend auf Bayraktar TB2-Drohnen aus türkischer Produktion. Diese vollautonome Aufklärungs- und Kampfdrohne kann 24 Stunden ohne Unterbrechung in der Luft bleiben und in Höhen von bis zu 7.300 Metern fliegen. Seit 2016 wird es hauptsächlich vom türkischen Militär eingesetzt und kommt vor allem gegen kurdische PKK-Milizen in den anatolischen Bergen zum Einsatz. Dieser türkische Drohnentyp wird derzeit auch im Ukrainekrieg eingesetzt. Im Internet finden sich Videos, die die Wirkung und Zerstörungskraft zeigen. Panzer, gepanzerte Fahrzeuge, Boote und Boden-Luft-Raketenabwehrsysteme können damit zerstört werden. Die meisten der in Afrika eingesetzten bewaffneten Drohnen werden von „südlichen Partnern“ produziert, wie sie in der Sahelzone sagen, wie der Türkei, China oder sogar dem Iran.

Wird der kürzlich ausgebrochene „Drohnenkrieg“ der im Januar 2022 an die Macht gekommenen Militärjunta, wie es eine senegalesische Tageszeitung kürzlich nannte, den Terrorismus in Burkina Faso und der gesamten Region eindämmen? Kaum, sagen Afrika-Experten. „Selbst wenn die Drohnen am Himmel vom Horn von Afrika bis zur Sahelzone immer sichtbarer werden, werden diese Operationen nicht ausreichen, um die Situation angesichts der terroristischen Bedrohung zu ändern“, berichtet der französische internationale Radiosender (Rfi). unter Berufung auf afrikanische Sicherheitsbeamte und Militärexperten. Diese beziehen sich auch auf die französische Anti-Terror-Mission „Barkhane“ in Mali, die den Terrorismus vor allem mit Hilfe bewaffneter Drohnen bekämpfte, ihn aber in neun Jahren nie entscheidend zurückdrängen konnte. Ende August wurde der letzte französische Soldat aus Mali nach Hause geflogen.

Viele islamistische Terrorgruppen sind gleichzeitig in der instabilen Sahelzone aktiv. Eine Unterscheidung zwischen den einzelnen Gruppen ist nicht immer möglich, da nicht selten kooperieren. Nicht wenige dieser Gruppen sollen aus Südalgerien „eingewandert“ sein. Besonders aktiv ist der „Islamistische Staat in der Großen Sahara“. In Burkina Faso kommen vor allem Gruppen aus Mali. „Die Gruppe zur Unterstützung des Islam und der Muslime“ aber auch die 2016 gegründete Bewegung „Ansarul Islam“ geben derzeit den Ton an. Beide Bewegungen, die finanziell gut aufgestellt sein sollen, haben gute Verbindungen nach Zentralmali und den dortigen Terrorgruppen.

Die Nachricht, dass terroristische Gruppen aktiv neue Kämpfer rekrutieren, ist besorgniserregend. Beispielsweise sollen neu angeworbene Kämpfer eine Startgebühr erhalten. Die Rede soll von mehr als 1000 Euro sein – viel Geld in Burkina Faso.

Auch die Militärregierung unter Oberstleutnant Paul-Henri Sandaogo Damiba, der an der renommierten »École de guerre« in Frankreich ausgebildet wurde, konnte den Terror nicht eindämmen. Sandaogo Damiba war Mitglied der Präsidentengarde des ehemaligen Langzeitpräsidenten Blaise Compaoré, der 2014 nach Massenprotesten zurücktrat.

Seit das Militär 2022 an die Macht kam, haben die Angriffe in Burkina Faso zugenommen. Laut Ulf Lässing sind gerade in diesem Jahr große Teile des Landes der Kontrolle der Zentralregierung entglitten. Lediglich die Hauptstadt Ouagadougou gilt als halbwegs sicher. Außerhalb von Ouagadougou ist das Land eine No-Go-Area. »Dschihadistische Gruppierungen konzentrieren sich auf Burkina Faso als Basis, um von dort aus in Richtung stabilerer Küstenstaaten wie Togo oder Ghana vorzudringen. Sie haben sich in den unwegsamen Waldgebieten im Süden niedergelassen, um von dort aus grenzüberschreitende Angriffe durchzuführen“, erklärt Lässing.

Inzwischen sind fast zwei Millionen Menschen auf der Flucht. Von Januar bis August 2022 sollen mehr Menschen geflüchtet sein als im gesamten Jahr 2021. Neben radikalen Islamisten sind auch kriminelle Banden und lokale Selbstverteidigungsgruppen der Bevölkerung in den Konflikt verwickelt.



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