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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier befürwortet trotz Kritik weiterhin ein obligatorisches Soziales Jahr. „Wir brauchen neue Modelle, in denen wir Jung und Alt miteinander ins Gespräch bringen und die Überzeugung üben, dass wir auch für andere da sein müssen“, sagte Steinmeier in einem am Sonntag ausgestrahlten Interview der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“.

Sein Vorschlag sei getrieben von der Sorge, „dass wir den Zusammenhalt wiederherstellen müssen“, sagte Steinmeier. „Meine Überzeugung bleibt: Es wird schwierig, wenn wir keine Gelegenheiten schaffen, in denen wir Zusammenhalt üben.“

Debatte über das obligatorische Sozialjahr

Steinmeier hat im Sommer eine Debatte über ein obligatorisches Sozialjahr angestoßen und dafür viel Kritik geerntet. Vor allem junge Menschen lehnen die Verbindlichkeit sozialen Engagements ab.

Ihm sei von Anfang an klar gewesen, „dass das keine Idee ist, die von alleine fliegt“, gestand Steinmeier. Mit Blick auf die Kritik von Jugendlichen stellte der Bundespräsident klar: „Ich habe es bewusst nicht nur für Jugendliche vorgeschlagen.“ Aus seiner Sicht muss die Frist auch nicht ein Jahr betragen.

etwas für Fremde tun

Wichtig sei ihm nur: „Jeder sollte einmal im Leben etwas für andere Menschen tun, die ihm fremd sind.“ Das gilt auch für ältere Menschen. Er ist aber auch offen für alternative Vorschläge: „Wenn es bessere Ideen als die der Pflichtzeit gibt, dann diskutiere ich gerne darüber. Das einzige, was ich nicht will, ist, dass diese Debatte wieder im Nichts endet.“

Das Interview mit Steinmeier bildete den Auftakt der ARD-Themenwoche „Wir wollten – was uns zusammenhält“.

Auf die Frage, wie man Menschen zurückgewinnen könne, die nicht oder nicht mehr für demokratische Teilhabe stimmen, erklärte Steinmeier: „Indem man sagt: Demokratie ist kein Supermarkt. Du kannst da nicht hingehen und dir aus dem Regal nehmen, was dir gefällt.“

Demokratie ist eine anspruchsvolle Staatsform

Man könne sich übrigens nicht darüber beklagen, dass einige Dinge nicht verfügbar seien, sagte der Bundespräsident. „Demokratie ist eine anspruchsvolle Staatsform. Wir sind auch für die Wiederauffüllung der Regale verantwortlich.“

Mehr Engagement für die Demokratie zu schaffen, könne auch heißen, Bürgerräte als demokratisches Element zu etablieren, führte der Bundespräsident weiter aus. Auch der Bundestag unterstützt diese Form der Bürgerbeteiligung. Wichtiger als die Form sei die Teilnahme selbst, sagte Steinmeier. Das erlebt er auch im Schloss Bellevue, wo täglich ein Austausch mit unterschiedlichen Bürgern stattfindet.