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Boris Becker geht in Berufung


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Geht der Rechtsstreit von Boris Becker mit Oliver Pocher in die nächste Runde? © Frank Augstein/AP/dpa

Ex-Tennisstar Boris Becker fühlt sich in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt – wegen einer Fernsehsendung. Vor Gericht scheiterte er mit einer Klage. Gibt es eine zweite Runde?

Karlsruhe – Ex-Tennisstar Boris Becker hat die Gerichtsentscheidung im Rechtsstreit mit TV-Comedian Oliver Pocher angefochten. Ein Sprecher des Oberlandesgerichts Karlsruhe bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass Beckers Rechtsbeistand am Mittwoch vergangener Woche Berufung eingelegt habe.

Becker (55) war Mitte November mit einer Zivilklage gegen Pocher (44) vor dem Landgericht Offenburg gescheitert. Das Gericht argumentierte damals, der Ex-Tennisprofi sei durch einen TV-Beitrag der RTL-Sendung „Pocher – gefährlich ehrlich“ vom Oktober 2020 nicht in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt worden ausgestrahlt und aus dem Internet gelöscht.

Weder Pocher noch Becker, der wegen Verschleierung von Teilen seines Vermögens während seiner Privatinsolvenz in einem britischen Gefängnis sitzt, mussten im badischen Offenburg vor Gericht erscheinen. Laut britischen Medienberichten steht Beckers Freilassung und sofortige Abschiebung unmittelbar bevor. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es noch nicht. Becker sitzt seit rund siebeneinhalb Monaten in britischer Haft.

Nach Gerichtsinformationen des Amtsgerichts Offenburg wurde in der umstrittenen Fernsehsendung unter dem Motto „Boris wieder reich machen“ ein Spendenaufruf gestartet. Demnach ist ersichtlich, dass auch Becker den dreistelligen Euro-Betrag erhalten hat – allerdings ohne davon zu wissen. Das Geld war in einem vermeintlichen Modepreis versteckt, den Becker in der Show verliehen bekam. „Dass der Preis nur zu diesem Zweck geschaffen und an Boris Becker verliehen wurde, um ihm unbemerkt den gesammelten Geldbetrag zuzusenden, wusste er bei der Preisübergabe nicht“, berichtete eine Sprecherin.

Gericht: Meinungsfreiheit herrscht

Das Gericht hatte entschieden, dass sich Pocher nicht auf die Zustimmung von Becker berufen könne, weil die Details der geplanten Verteilung vorher nicht kommuniziert worden seien. Eine Veröffentlichung ist jedoch möglich, da es sich um „Porträts der Zeitgeschichte“ handelt. Aus Sicht des Offenburger Gerichts überwiegen in diesem Fall die Interessen der Meinungs- und Rundfunkfreiheit.

Dem Urteil von Mitte November liege eine Interessenabwägung zugrunde, sagte Beckers Anwalt Samy Hammad der Deutschen Presse-Agentur. Meinungsfreiheit sei zwar ein „hohes rechtliches Interesse“ – aber die „Persönlichkeitsrechte von Herrn Becker“ hätten Vorrang. Zu Beckers möglicherweise drohender Abschiebung äußerte sich Hammad nicht.

Pochers Anwältin Patricia Cronemeyer sagte auf Anfrage: „Das Amtsgericht Offenburg hat den Sachverhalt verbindlich festgestellt, die Klage in vollem Umfang abgewiesen und damit am Ende die richtige Entscheidung getroffen.“ Nun muss die Gegenseite ihre Berufung gegen das Urteil zunächst begründen. „Dabei ist es ihr grundsätzlich untersagt, neue Tatsachen vorzutragen. Aber eines ist jetzt schon klar: Sobald uns der Einspruch vorliegt, werden wir dessen sofortige Zurückweisung beantragen“, erklärte Cronemeyer. dpa