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Bis 2025: Neuseeland will rauchfrei sein


Stand: 13.12.2022 10:33 Uhr

Neuseeland hat ein beispielloses Anti-Raucher-Gesetz verabschiedet. Das Ziel ist, das Land bis 2025 rauchfrei zu machen. Jüngere Generationen dürfen niemals Zigaretten kaufen.

Von Sandra Ratzow, ARD-Studio Singapur, derzeit Neuseeland

Tasmyn Breuker-Brown, 13, wird in ihrem Leben nie legal in Neuseeland Zigaretten kaufen können. Wie alle, die nach 2008 geboren sind. So steht es im neuen Rauchverbotsgesetz „Smokefree 2025“.

Neuseeland will verhindern, dass künftige Generationen überhaupt mit dem Rauchen beginnen. Und Tasmyn findet das völlig in Ordnung: „Ich denke, wenn Menschen die freie Wahl haben, treffen sie keine verantwortungsvollen Entscheidungen, wenn es ums Rauchen geht. Sie rauchen zu viel. Das neue Gesetz ist gut.“

Neuseelands Ziel: Bis 2025 sollen weniger als fünf Prozent der Menschen rauchen. Damit wäre das Land das erste Land der Welt, das als rauchfrei gilt. Derzeit sind es nach Regierungsangaben noch acht Prozent. Die Zahlen sind in letzter Zeit stetig zurückgegangen.

Neuseeland will rauchfrei werden

Sandra Ratzow, ARD Singapur, tagesschau24 11:00 Uhr, 13. Dezember 2022

Pionier seit Jahrzehnten

Neuseeland ist seit Jahrzehnten ein weltweiter Vorreiter in seiner Anti-Raucher-Politik. Das Rauchen in Innenräumen am Arbeitsplatz wurde bereits 1990 verboten, gefolgt von Bars und Restaurants im Jahr 2004. Die Steuern auf Zigaretten sind seit 2010 um 165 Prozent gestiegen. Die Zigaretten- und Tabakpreise gehören zu den höchsten der Welt. Eine Packung Zigaretten kostet umgerechnet rund 23 Euro. Nur in Australien ist es noch teurer.

Aber Neuseeland ist nicht genug. Das neue Gesetz wird Zigarettenhersteller zwingen, den Nikotingehalt von heute bis zu 15 Milligramm pro Gramm Tabak auf 0,8 Milligramm pro Gramm Tabak zu reduzieren. Das liegt laut Experten unter der Grenze, ab der Zigaretten überhaupt abhängig machen können.

„Es ist ein großer Schritt“

Das neue Gesetz ist Wissenschaftsministerin Ayesha Verrall eine Herzensangelegenheit. Sie ist auch Ärztin. „Es ist ein großer Schritt. Tabak gibt es hier, seit Neuseeland kolonisiert wurde. Er hat so viel menschliches Leid verursacht“, sagt sie. „Es tötet die Hälfte aller Benutzer.“

Demnach sterben jedes Jahr noch 4.500 bis 5.000 Neuseeländer an den Folgen des Rauchens. „Keine vermeidbare Krankheit verursacht mehr Todesfälle in Neuseeland. Es ist wichtig, das loszuwerden.“

„Es ist wichtig, das loszuwerden“, sagt Wissenschaftsminister Verrall über das Rauchen.

Bild: ARD Studio Singapur

Laut Statistik bereuen sieben von neun Rauchern ihren Schritt, werden ihn aber nicht los. Das Konzept sieht daher auch mehr Geld für Entwöhnungsprogramme und Selbsthilfegruppen vor.

Die Raucherquoten sind dreimal höher als der nationale Durchschnitt, insbesondere unter Maori. Lungenkrebs ist die häufigste Todesursache bei Maori-Frauen. So war es auch bei der Mutter von Victoria Whare, die mit elf Jahren selbst mit dem Rauchen begann: „Ich habe gesehen, wie meine Mutter erst krank wurde und dann starb“, sagt die 46-Jährige. Das hat ihr ganzes Leben geprägt. „Mein Vater hat immer zu uns gesagt: ‚Ich wünschte, ihr würdet nicht rauchen. Eure Mutter ist daran gestorben.‘ Er hat selbst geraucht.“

Mehr Kriminalität wegen hoher Preise?

Kioskbetreiber Eusief Mhasnieh sieht das anders. Zigaretten und Tabak lagert er sicher in einem Schrank mit mehreren Schlössern. Bei ihm wurde mehrfach eingebrochen. Hohe Zigaretten- und Tabakpreise fördern Kriminalität und Schwarzmarkthandel, sagt er. Die illegale Einfuhr von Zigaretten ist jedoch nach Angaben der Regierung aufgrund des Inselstatus Neuseelands ein untergeordnetes Problem.

Künftig soll es laut Gesetz bundesweit nur noch 500 statt 8.000 zertifizierte Verkaufsstellen geben. Zigaretten sollen schwieriger zu bekommen sein. Kioskbetreiber Mhasnieh, der selbst raucht, fürchtet Einnahmeverluste und findet, die Regierung gehe zu weit: „Du kannst mir nicht sagen, was ich zu tun habe und was ich nicht tun kann. Es ist meine Freiheit, zu tun, was ich mache.“ will, wenn es nicht gegen mich ist, das Gesetz zu brechen. Meine Freiheit, meine Wahl.“

Aber das neue Gesetz ist kein kalter Entzug. Rauchen sollte nicht bestraft werden. Das ist kein Verbot, sagt Minister Verrall. E-Zigaretten sollen Alternativen sein.

Raucher und Kioskbesitzer Mhasnieh glaubt nicht an das neue Gesetz.

Bild: ARD Studio Singapur

Sogar die Raucher sind dafür

In Neuseeland gibt es viel Unterstützung für die Entscheidung, laut Umfragen ist sogar die Hälfte der Raucher dafür.

International wird die neuseeländische Initiative mit großem Interesse beobachtet. Andere Länder wie Malaysia wollen dem Beispiel bald folgen und planen bereits ähnliche Gesetze.

Neuseeland beendet die Zigarette

Sandra Ratzow, ARD Singapur, 13.12.2022 10:21 Uhr