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Biodiversitätsziel: Wie streng werden Naturschutzgebiete geschützt?


Stand: 26.01.2023 06:00 Uhr

Bis 2030 will Deutschland mindestens 30 Prozent der Land- und Meeresflächen unter Naturschutz stellen. Formal ist das Ziel bereits erreicht – allerdings gibt es sehr unterschiedliche Definitionen.

In Deutschland gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Schutzgebiete für Tiere und Pflanzen: Naturparke, Vogelschutzgebiete, Biosphärenreservate, Nationalparks. Jeder hat andere Ziele. Die Kategorie „Naturdenkmäler“ kann im Einzelfall auch bedeuten, dass nur einzelne Bäume geschützt sind, „Naturparke“ sogar landwirtschaftlich genutzt werden können.

Das auf der Weltnaturkonferenz im vergangenen Dezember gesetzte Ziel, 30 Prozent der Erdoberfläche zu schützen, sei in Deutschland bereits erreicht, wie das Bundesumweltministerium (BMUV) auf Anfrage schreibt. Dies gilt jedoch nur, wenn Sie die Schutzgebiete aller Kategorien zusammenzählen.

Mehr Qualität in den Schutzgebieten

Insgesamt stehen in Deutschland fast 40 Prozent der Landfläche unter Schutz und sogar 45 Prozent der Meeresfläche. Umweltschützer kritisieren jedoch, dass derzeit in vielen Schutzgebieten die Lebensräume von Tieren und Pflanzen zerschnitten werden, was ihnen das Überleben erschwert.

Das gilt auch für Neubauvorhaben, wenn sie beispielsweise dem Ausbau des Nahverkehrs dienen. Dann wird argumentiert, Klimaschutz stehe aus lokaler Sicht dem Naturschutz gegenüber.

Bereiche besser miteinander verbinden

Auch das Bundesumweltministerium will sich künftig dafür einsetzen, dass die Schutzgebiete besser miteinander vernetzt werden. „Bei der Umsetzung der Beschlüsse der Weltnaturschutzkonferenz werden wir einen klaren Fokus auf die qualitative Weiterentwicklung unserer bestehenden Schutzgebiete hier in Deutschland legen“, sagt eine Sprecherin. Dies sollte durch ein besseres Management geschehen, das noch stärker auf einen guten Erhaltungszustand und die Widerstandsfähigkeit von Ökosystemen abzielt.

Das fordern auch Experten wie Magnus Wessel vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND eV). Insbesondere Gebote und Regeln müssten in den Bereichen besser durchgesetzt werden. Denn obwohl es auf dem Papier so aussieht, als hätte der Naturschutz einen hohen Stellenwert, leidet die Biodiversität in Deutschland noch immer. Das haben verschiedene Studien der letzten Jahre gezeigt, zum Beispiel zum Insektensterben und der geringen genetischen Vielfalt beim Rothirsch.

Nur sieben Prozent streng geschützt

Nur zwei Kategorien von Schutzgebieten sind in Deutschland wirklich streng geschützt. Streng geschützt bedeutet konkret, dass Naturschutz Vorrang vor menschlichen Bedürfnissen hat. Das gilt in Nationalparks, die nur 0,6 Prozent der Fläche einnehmen, und in Naturschutzgebieten. Sie machen laut Bundesamt für Naturschutz 6,3 Prozent der Fläche in Deutschland aus.

Die landwirtschaftliche Nutzung ist dort verboten, Spaziergänger dürfen kein Feuer machen und müssen auf den markierten Wegen bleiben. Eine anderweitige Nutzung dieser Flächen ist nur zulässig, wenn sie dem Schutzziel nicht entgegensteht. Daher ist das Bauen dort weitgehend verboten. Generell sollten hier keine Eingriffe in die Natur vorgenommen werden, um den Lebensraum der wildlebenden Pflanzen- und Tierarten zu gewährleisten.

Bereiche mit geringerem Schutzstatus

Dieser Schutz spielt jedoch beispielsweise in Biosphärenreservaten, die ebenfalls als Schutzgebiete ausgewiesen sind, eine weit geringere Rolle. Sie sollen als Modellregionen für das Zusammenleben von Mensch und Natur dienen. In Regionen wie der „Flusslandschaft Elbe“, der Rhön und dem „Pfälzerwald-Nordvogesen“ werden Tourismus und nachhaltige Bewirtschaftung gefördert. Und als Landschaftsschutzgebiete ausgewiesene Flächen dürfen zwar nicht saniert werden, dafür dürfen Landwirte dort oft sogar konventionellen Dünger einsetzen.

Internationale Unterschiede

In Deutschland müsse man allerdings bedenken, dass es sich um ein sehr dicht besiedeltes Industrieland handelt, sagt Matthias Glaubrecht, Leiter des Leibniz-Instituts zur Analyse des Wandels der Biodiversität. Das macht es schwierig, große Gebiete streng zu schützen.

Er fordert aber auch, dass Deutschland die Biodiversität in den bereits geschützten Gebieten wirklich garantiert. Das Glaubensrecht sieht Deutschland auch international in der Verantwortung. Staaten des Globalen Nordens sollten den Nationen des Globalen Südens Geld geben: „Die Biodiversität ist in diesen Ländern viel größer und wird auch erhalten. Wir müssen helfen, dass das auch in Zukunft so bleibt.“