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Biden mit energiegeladenem Auftritt: Aus „Sleepy Joe“ wird „Sock Joe“!

US-Präsident Biden wirkt manchmal gebrechlich. Seine Gegner und vor allem sein Vorgänger Trump nutzen dies, um „Sleepy Joe“ zu diskreditieren. Doch eine Woche vor einer wichtigen Wahl dreht Biden auf – mit einem aus rhetorischer Sicht strahlenden „P“ auf den Socken.

Joe Biden wird oft belächelt. Wenn er nicht läuft. Oder gar nicht laufen und wie angewurzelt auf einer Bühne stehen. Dass Biden in weniger als einem Monat 80 Jahre alt wird, hält politische Gegner, allen voran Ex-Präsident Donald Trump, nicht davon ab, sich über ihn lustig zu machen.

Der Titel „Sleepy Joe“ ist der Inbegriff dieses Spotts. Gleichzeitig ist „Sleepy Joe“ aus rhetorischer Sicht ein guter Trick für seine Gegner. Denn der Begriff passt, ist leicht zu merken und hat – selbst Sympathisanten von Joe Biden müssen zugeben – hin und wieder seine Berechtigung.

Ein solcher Name – oder die Bilder, die dazu gehören – bleibt einem haften. Denn wie es das Medienspektakel will, werden alle Beteiligten oft auf eine Seite ihres Aussehens, ihres Charakters, ihrer Lebensweise reduziert. Bei Biden steht die gebrechliche Seite am meisten im Rampenlicht. Aber er kann auch anders sein.

„Oh Gott, ich liebe Philly“

So strotzt er dieser Tage in Philadelphia im Wahlkampf für die anstehenden wichtigen „Midterm“-Wahlen vor Kraft.

„Oh Gott, ich liebe Philly“, ruft er unter Applaus aus. „Ich liebe Philly so sehr, dass ich ein Philly-Mädchen geheiratet habe.“

„Und Sie können es wahrscheinlich nicht sehen“, sagt Biden und zieht sein Hosenbein hoch, um Phillies Sportsocken zu enthüllen, „aber ich habe – wir hatten ein gutes Jahr – die Phillies und die Eagles.“ Das eine ist ein Baseballteam und das andere ein Philadelphia-Footballteam.

Andere Länder, andere rhetorische Gepflogenheiten

Heimatfarbe, Profisport, die Legende einer Liebe – Biden beherbergt alles, was in den USA rhetorisch zum guten Ton gehört. Denn während die Wähler in Deutschland seit Jahren von der Merkel-Raute schwärmen, waren die Amerikaner schon immer Fans des etwas energischeren Spektakels. Amerikaner (bei Auftritten) mögen Macher und weniger Bewahrer.

Biden nutzt seine scheinbar gute Tagesform beim alljährlichen „Independence Dinner“ seiner Parteikollegen aus Philadelphia auch, um in seiner Rede den Angriff auf den Ehemann seiner Parteikollegin und US-Repräsentantenhaussprecherin Nancy Pelosi vehement zu verurteilen.

„Genug ist genug ist genug!“

„Genug ist genug ist genug!“ schreit Biden: „Jeder Mensch mit gutem Gewissen muss sich klar und unmissverständlich gegen die Gewalt in unserer Politik aussprechen, unabhängig davon, was seine oder ihre Politik ist. Wir alle! Wir alle zusammen, als Amerikaner.“

Obwohl vieles darauf hindeutet, dass die Demokraten bei den „Midterms“ am 8. November ihre knappe Mehrheit im Repräsentantenhaus verlieren werden, scheint Biden dieses Wochenende alles andere als zum Schlafen zu nutzen.

Am Tag nach seinem Socken-Auftritt zeigt er sich mit seiner Jugend, mit seiner Enkelin Natalie. Dabei macht er von der Möglichkeit der vorzeitigen Stimmabgabe Gebrauch. Für den 18-Jährigen ist es der erste Wahlgang. Etwas Besonderes. Ihr Großvater klebte einen „Ich habe gewählt“-Aufkleber an ihr Revers. Dieser Sticker und das „P“ für die „Phillies“ auf den Socken sind für den 79-Jährigen kleine Symbole eines perfekten rhetorischen Wochenendes.

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