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Betrugsvorwürfe im Schach – Neue Verdachtsphase


Schachweltmeister Magnus Carlsen liegt im Clinch mit dem jungen US-Großmeister Hans Niemann (Jon Gambrell/AP/dpa)

Die Schachwelt ist in Aufruhr, seit Weltmeister Magnus Carlsen zunächst ein Turnier in Saint Louis nach einer Niederlage gegen den Amerikaner Hans Niemann verließ und später eine Online-Partie gegen Niemann nach nur einem Zug beendete. Das wecke Erinnerungen an die Fischer-gegen-Spasski-Weltmeisterschaft vor 50 Jahren in Reykjavik, sagt Schachexperte Ulrich Stock: an die damalige Paranoia, dass jemand falsch spielen könnte. Eigentlich war das überwunden, aber jetzt gibt es wieder eine Verdachtsphase.

Niemann ist 19 Jahre alt. Er hat zugegeben, als Jugendlicher zweimal in Online-Spielen geschummelt zu haben. Laut einer Online-Schachseite soll das schon öfter vorgekommen sein. Niemanns Trainer bzw. Mentor ist der in New York lebende russische Großmeister Maxim Dlugy. Dlugy habe selbst bereits einen Betrugsfall aufgedeckt, soll aber auch online geschummelt haben, sagt Stock.

„Übermittlung des expliziten Moves nicht notwendig“

Carlsen sei ein besonderer Mensch, aber eigentlich fair, sagt Stock. Der abrupte Ausstieg aus dem Turnier und dem Online-Spiel ist daher einzigartig. Gegen Niemann gebe es bislang aber keine Beweise: „Es ist auch charakteristisch für diese ganze Geschichte, dass vieles sehr vage ist. Man weiß also nichts Konkretes.“

Stock erklärt auch, dass es einen massiven Unterschied zwischen Online-Spielen und Turnieren von Angesicht zu Angesicht gibt. Betrügen ist online wahrscheinlicher, aber schwierig auf dem Brett. Es gibt jedoch Möglichkeiten: Hinweise über versteckte Kopfhörer oder versteckte Impulsgeber an anderen Körperstellen. Für einen guten Spieler wie Niemann reicht der Impuls als Hinweis: Hier tut sich was. Dann findet er wahrscheinlich selbst den Zug, der nicht explizit übermittelt werden muss. Dies ist ein weiterer Grund, warum Betrug schwer zu erkennen ist.

„Könnte die Spitze des Eisbergs sein“

Recherchen zufolge spielt Niemann besser, wenn das Spiel live im Internet übertragen wird. Während dies ein starker Beweis für Betrug wäre, erklärt Stock, dass diese Untersuchung erneut in Frage gestellt wird. Es ist nicht klar, wie korrekt es durchgeführt wurde.

Carlsen will noch einmal sprechen. Ob er dann Beweise gegen Niemann anführen kann, ist ungewiss. Und auch der Weltschachverband FIDE beziehe in einer Stellungnahme keine klare Position, sagt Stock: „Carlsen wurde für diese Betrugsunterstellung kritisiert. Andererseits hieß es: Das ist sicher ein großes Problem mit Betrug. Und wir.“ Da muss man etwas unternehmen, also hat auch das eine gewisse Unentschlossenheit.“

Schummeln im Allgemeinen könnte im Schach häufiger vorkommen, glaubt Stock: „Es könnte sein, dass dies die Spitze des Eisbergs ist. Den Online-Plattformen wird gemunkelt, dass sie eine ganze Liste von Großmeistern haben, die bei Online-Turnieren geschummelt haben.“

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