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Politische Nachrichten

Berichte über einen Raketeneinschlag in Polen – Wenn jedes Wort zählt


Die Stadt Przewodow an der polnisch-ukrainischen Grenze: Zwei Männer starben hier bei einer Explosion (Imago/Pawel Wodzynski/Eastnews)

Die Meldung, die am Dienstagabend weltweit auf Fernsehbildschirmen und Handydisplays erschien, hat viele erschreckt: Noch immer war unklar, wie genau zwei Menschen im polnischen Grenzgebiet zur Ukraine ums Leben kamen. Aber die Sorge, dass der russische Angriffskrieg auf ein anderes Land übergreifen könnte, wurde sofort geäußert.

Erste Agenturmeldungen am Mittwochabend

Die Nachrichtenagentur AP schickte um 19.49 Uhr die erste deutschsprachige Meldung: „Russische Raketen dringen in polnisches Territorium ein“, hieß es unter Berufung auf einen US-Geheimdienstmitarbeiter. Diese Informationen wurden noch nicht bestätigt. Im Gegenteil: Die Möglichkeit, dass die Opfer von einer Rakete des ukrainischen Luftabwehrsystems getroffen wurden, wird nun geprüft.

Kurz nach dem Vorfall versuchten die meisten Politiker sichtlich, vorschnelle Schlussfolgerungen und Forderungen zu vermeiden. „Es gilt nun sorgfältig aufzuklären, wie es zu dieser Zerstörung dort kommen konnte“, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz in einer ersten Stellungnahme am 16. November 2022 – und vermied mit seiner Wortwahl jegliche Spekulationen über einen möglichen gezielten Angriff.

dpa meldete „Explosion“

Auch viele Journalisten berichteten zunächst bemerkenswert zurückhaltend. Der private polnische Radiosender Zet hatte nach Agenturangaben zunächst über die Toten berichtet und von „verirrten Raketen“ gesprochen. Stundenlang sprach die dpa in ihren Berichtstiteln von einer „Explosion“, und auch von einem „Raketeneinschlag“ war viel zu lesen – ein neutraler Begriff, der keine Interpretation als „Raketenangriff“ oder „Raketenabsturz“ beinhaltet „. Viele Berichte betonten auch, dass es bisher nur „unbestätigte Meldungen“ gebe.

In den Nachrichten des Deutschlandfunks wurde das Thema um 22 Uhr erstmals aufgegriffen. Dort hieß es: „Die Nato prüft Berichte über einen Einschlag zweier russischer Raketen in Polen.“ Die Redaktion hat sich dagegen entschieden, ihr Programm für die aktuelle Berichterstattung zu unterbrechen. Im Ersten lief dagegen am Mittwochabend eine kurze Extraausgabe der „Tagesthemen“.

Große Verantwortung der Medien

Mit der Entscheidung, wie viel Raum sie einer individuellen Berichterstattung geben und welche Formulierungen sie verwenden, tragen die Medien entscheidend dazu bei, wie bedrohlich ein Ereignis in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. „Im Laufe der Geschichte sind auf die eine oder andere Weise Kriege begonnen worden, ohne dass man sie vielleicht hätte beginnen müssen“, erklärte Dlf-Nachrichtenchef Marco Bertolaso ​​gegenüber Dlf. Wenn ein Bericht wie dieser durch eine Weltagentur wie AP kommt, setzt sich auf der ganzen Welt eine Maschinerie in Bewegung.

Im Deutschlandfunk habe man sich entschieden, nicht sofort eine Eilmeldung zu senden, sagte Bertolaso, „weil wir aus Erfahrung wissen, wie sehr es in diesen ersten Momenten an Unklarheiten mangelt“. Erst später am Abend veröffentlichte die Redaktion eine Eilmeldung mit der Information, Polen habe seine Streitkräfte in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt.

Als Informationsmedium müsse man erst einmal klären, was Sache sei, bevor man sich definitiv dazu äußern würde, sagte der Nachrichtenchef. Im 21. Jahrhundert ist eine Stellungnahme jedoch überhaupt nicht mehr möglich.

Nato-Politiker verbreiten Interpretationen des Vorfalls

„Wir haben nicht erst seit gestern Abend die Befürchtungen einer Gesellschaft oder die Möglichkeit, Krisen durch Falschmeldungen zu verschärfen“, sagte Bertolaso. Hinzu kommt jedoch eine Vielzahl von Stimmen in den digitalen Medien, die dies noch verschärfen.

Auch die ersten Äußerungen seriöser Politiker aus Nato-Staaten könnten rückblickend als Kurzsichtigkeit eingestuft werden. „Die Journalisten sind besonders gefordert, nicht zu bevormunden, sondern selbst Ruhe zu bewahren und keine voreiligen Schlüsse zu ziehen“, sagte Bertolaso.

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