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Beben im Südwesten der USA (nd-aktuell.de)


Eine Pumpe arbeitet in einem Ölfeld.

Foto: picture alliance/dpa/Odessa American | Jakob Ford

Das sogenannte Permian Basin ist etwas kleiner als der Bundesstaat Brandenburg und erstreckt sich über den Nordwesten von Texas und einen kleinen Teil des Südostens von New Mexico im trockenen Südwesten der Vereinigten Staaten. Obwohl seine Ölreserven nicht die größten in den Vereinigten Staaten sind, sind sie die produktivsten. Derzeit werden in der Region an einem einzigen Tag mehr als drei Millionen Barrel Öl gefördert, etwa die Hälfte der US-Produktion.

In den 1920er Jahren entdeckt und schnell erschlossen, gingen Anfang der 2000er die zugänglichen Ölreserven in der Gegend zur Neige. Das oberflächennahe Erdöl, das das Becken für die Förderung so attraktiv machte, wurde relativ schnell abgepumpt. Der niedrige Ölpreis machte es für die Industrie unattraktiv, kostspielige Produktionsverfahren einzusetzen. Hunderte von Unternehmen gingen im Perm-Becken in Konkurs, und viele Bohrstellen wurden einfach aufgegeben.

Doch gegen Ende der 2010er Jahre begann das, was heute in den USA als „Shale Revolution“ bekannt ist. „Schiefer“ bezieht sich auf das Schiefergestein, das in vielen Ölfeldern gefunden wird und das Öl enthält, das mit herkömmlichen Mitteln nicht gefördert werden könnte. Doch mit der Entwicklung der Fracking-Technologie, bei der ein mit speziellen Chemikalien vermischtes Sand-Wasser-Gemisch unter hohem Druck in Bohrlöcher gepumpt wird, könnte dieses Gestein buchstäblich geknackt werden. Plötzlich waren Öl- und Erdgasvorkommen zugänglich, die zuvor für die Industrie unerreichbar waren.

Im Perm-Becken hat die Schieferrevolution neue Realitäten geschaffen. Als tot eingestufte Brunnen und Claims wurden mit Hilfe von Fracking, Horizontalbohrungen und anderen Förderinnovationen plötzlich wieder produktiv. Heute tummeln sich in der Region tausende große Konzerne und kleine Unternehmen, um mit den dort vorkommenden Bodenschätzen Geld zu verdienen.

Dass die großtechnische Förderung von Öl und Gas auch Folgen für die lokale Umwelt hat, ist inzwischen hinlänglich bekannt. Allein die Luftverschmutzung durch tausende undichte oder unversiegelte Bohrstellen in der Region ist immens. Aber eine der auffälligsten Veränderungen im Perm-Becken findet unter der Oberfläche statt.

„Durch die unkonventionelle Art und Weise, wie Öl und Gas im Perm-Becken gefördert werden, entstehen große Mengen Wasser als Nebenprodukt. Die meisten Quellen, die Öl fördern, haben die doppelte oder dreifache, manchmal sogar die fünffache Menge“, erklärt Katie Smye von der University of Texas at Austin. „Das Wasser ist verschmutzt, es enthält Rückstände vom Fracking, also muss es recycelt oder sicher entsorgt werden.“ Im Perm-Becken erfolgt diese Entsorgung fast ausschließlich unterirdisch: Das verschmutzte Wasser wird in alte Stauseen oder in neue oder ausgetrocknete Brunnen gepumpt.

Diese Form der Wasserentsorgung macht sich im Permbecken seit einiger Zeit besonders dramatisch bemerkbar: durch Erdbeben. „Wir haben einen raschen Anstieg der seismischen Aktivität im Westen von Texas gesehen“, sagt Smye, „von ein paar seltenen Erdbeben mit mehr als drei im Jahr 2000 auf mehrere hundert allein im letzten Jahr in einer einzigen Subregion des Perm-Beckens.“ Der Zusammenhang zwischen Erdbeben und Wasserhygiene ist eindeutig. „Der Hauptgrund für die erhöhte seismische Aktivität im Perm-Becken ist die Wasserentsorgung sowohl in flachen als auch in tiefen Brunnen.“

Der Geowissenschaftler erforscht nun vor allem die sogenannte „induzierte seismische Aktivität“ – Erdbeben, die auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen sind. Die Wassermengen, die täglich im Perm-Becken entsorgt werden, korrelieren mit der stetig steigenden Produktion. „Seit 2010 wurden in den beiden Teilregionen des Perm-Beckens rund 15 Milliarden Barrel Wasser entsorgt“, sagt der Forscher. Wenn die derzeitige Produktionsrate anhält, könnten es bald 200 bis 300 Milliarden sein.

Erdbeben der Größenordnung, die wir in Texas erlebt haben, stellten selten eine akute Bedrohung für Menschenleben dar. Aber sie verursachen bereits schwere Schäden an Häusern und kritischer Infrastruktur. In einer Region, in der sie eigentlich nicht stattfinden sollten, sind die wenigsten Menschen gegen Schäden durch Erdbeben versichert. Die Erschütterungen rissen auch Fundamente und verursachten andere Schäden in der kleinen Stadt Pecos, mehr als 150 Kilometer von den Bohrlöchern im Permian Basin entfernt. Je größer der Druck in den unterirdischen Wasserreservoirs ist, desto heftiger werden die Erdbeben.

Der Andrang im Permbecken ist groß, die Nachfrage nach den fossilen Schätzen der Region immens. Das hier geförderte Erdgas soll auch verstärkt nach Europa gelangen, um die fehlenden Lieferungen aus Russland zu ersetzen. Katie Smye arbeitet am Bureau of Economic Geography, einer Abteilung der University of Texas, die eng mit der Öl- und Gasindustrie zusammenarbeitet. Es unterstützt auch Smyes Arbeit zur seismischen Aktivität. Ein Ende dieser gefährlichen Wasserentsorgung ist in absehbarer Zeit nicht machbar. „Wir arbeiten an Lösungen“, sagt sie.