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Bale Wales kann diesmal nicht retten: Nach 98 Minuten überwältigt der bewegende Iran das Pech

Bale Wales kann diesmal nicht retten
Der bewegende Iran überwindet Pech nach 98 Minuten

Das Aluminium rettet Wales mehrfach, doch das entscheidende Tor fällt weit in die ewige Nachspielzeit hinein: Der Iran gewinnt verdient ein knappes Spiel und darf auf ein Weiterkommen hoffen. Superstar Gareth Bale kann sein Team diesmal nicht retten.

Unter großem politischen und sportlichen Druck feierte die iranische Fußballnationalmannschaft bei der WM in Katar einen umjubelten Last-Minute-Sieg. Das Team von Trainer Carlos Queiroz gewann das zweite Gruppenspiel gegen Wales dank der Tore von Roozbeh Cheshmi und Ramin Rezaeian in der achten und elften Minute der Nachspielzeit mit 2:0 (0:0). Der walisische Torhüter Wayne Hennessey sah in der 86. Minute nach einem Notstopp außerhalb des Strafraums gegen Mehdi Taremi die Rote Karte.

Beide Mannschaften haben noch Chancen auf das Weiterkommen. Vor 40.875 Zuschauern im Ahmad-bin-Ali-Stadion von Al-Rajjan blieben die iranischen Spieler dieses Mal während der Nationalhymne nicht stumm, sondern bewegten sichtlich mit ernster Miene die Lippen. Die meisten Pfiffe in der Arena verstummten, als die Videowand einen herzzerreißend weinenden älteren Fan zeigte, der eine iranische Flagge hielt.

Großer Druck von zu Hause

Der Druck auf die Spieler, die auch zu Hause um das Wohl ihrer Familien fürchten müssen, war wohl zu groß geworden: Vor dem 2:6 gegen England hatten sie stumm den Tönen gelauscht. Daraufhin wurde von Androhungen drastischer staatlicher Sanktionen berichtet. Seit Wochen wird der Iran von den schlimmsten Protesten seit Jahrzehnten erschüttert. Der Tod einer jungen Frau in Polizeigewahrsam hatte dies ausgelöst, und der Sicherheitsapparat reagierte mit äußerster Härte.

Die Spieler sind sich der möglichen Folgen ihres Handelns in ihrem Heimatland bewusst. Gleichzeitig hatten viele Anhänger der Protestbewegung Irans Team Melli in den vergangenen Wochen scharf kritisiert. Vor allem ein Foto mit Präsident Ebrahim Raisi in entspannter Stimmung sorgte kurz vor der Abreise für Empörung. Die Kritiker bemängelten, dass die Aktion auf dem Feld zu spät und zu klein sei.

Vor dem Spiel war laut der regierungstreuen Nachrichtenagentur Tasnim bekannt geworden, dass der frühere iranische Nationalspieler Voria Ghafouri am Donnerstag festgenommen worden war. Dem 35-jährigen Verteidiger werde Propaganda gegen das politische System Irans und Beleidigung der Nationalmannschaft vorgeworfen, hieß es. Diesmal schrieb Tasnim den Spielern das Singen der Hymne zu.

Erster Platzverweis der WM

Der Iran war bei allen bisherigen fünf WM-Teilnahmen in der Vorrunde gescheitert. Gegen die Waliser erwischte die Mannschaft einen stürmischen Start – und das ohne den am Kopf verletzten Ali Beiranvand. Der 30-Jährige, der sich im Auftaktspiel eine Gehirnerschütterung zugezogen hatte, saß nur auf der Bank. Stattdessen begann der gegen England eingewechselte Hossein Hosseini. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hatte die Fifa dem iranischen Verband mitgeteilt, dass der Torhüter nicht spielen soll. Die endgültige Entscheidung über den Einsatz lag jedoch beim iranischen Verband.

Ali Gholizadeh ließ die iranischen Fans nach 15 Minuten für sein Tor jubeln, aber das Tor wurde nach einer Videobeweisentscheidung im Abseits gewertet. Die Waliser hatten im ersten Gruppenspiel gegen die USA ein 1:1-Unentschieden gespielt. Der EM-Halbfinalist von 2016 geriet gegen die Iraner von Beginn an in Hektik.

Auch Leverkusens Sardar Azmoun hielt die gegnerische Abwehr auf Trab. Er und sein Stürmerkollege Gholizadeh trafen jeweils nur den Pfosten innerhalb von Sekunden nach der Pause. Der walisische Superstar Bale hingegen ging fast das gesamte Spiel über unter. Am Ende wurde es hektisch. Hennessey sah die Rote Karte, weil er gegen Taremi mit einem geraden Bein deutlich zu spät kam – eine klare Rote Karte. Schiedsrichter Mario Escobar fügte neun Minuten Nachspielzeit hinzu. Die Iraner versuchten noch einmal alles – und wurden sehr spät belohnt.

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