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Aufarbeitung des Olympia-Attentats: „Wir haben 50 Jahre gekämpft“


Stand: 25.01.2023 11:28 Uhr

Angehörige der Opfer des Olympia-Attentats von 1972 haben lange um Anerkennung und Entschädigung gekämpft – nun folgt die historische Aufarbeitung. Zu diesem Zweck sollte eine Kommission eingerichtet werden. Viele Details sind noch unklar.

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD Studio Tel Aviv

Die Aufarbeitung des Olympia-Attentats von 1972 läuft: Im Sommer vergangenen Jahres, unmittelbar vor dem 50. Jahrestag des Attentats auf die Olympischen Spiele in München, war von einer Einigung zunächst nichts zu sehen. Doch dann gab es eine Gedenkfeier, bei der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Fehler der deutschen Behörden und deutsche Verantwortung anerkennt.

Jan Christoph Kitzler
ARD-Studio Tel Aviv

Juliane Seifert, Staatssekretärin im Bundesinnenministerium, reiste nach Tel Aviv, um mit den Familien der Angehörigen das weitere Vorgehen zu besprechen. „Im August und September konnten wir mit den Familien vereinbaren, dass es weitere Anerkennungsdienste geben wird“, sagt sie. Jetzt, und das ist der Grund für den Besuch in Israel, haben sie eine dritte Aufgabe: die Verarbeitung.

Kommission von Historikern zur Untersuchung des Attentats

Dazu soll eine Kommission aus deutschen und israelischen Historikern eingesetzt werden. Dieser Punkt sei den Angehörigen neben der öffentlichen Anerkennung der deutschen Verantwortung und weiteren Entschädigungen besonders wichtig gewesen, sagt Ankie Spitzer. Sie ist die Witwe des damals ermordeten israelischen Fechttrainers Andre Spitzer.

„Unsere dritte Forderung, und ich glaube, sie war die wichtigste für uns, ist die Öffnung aller Archive“, erklärt sie. Dies wurde auch von der Bundesregierung genehmigt. „Und jetzt werden die Familien endlich wissen, was in München passiert ist. Denn wir glauben, dass es noch viele Informationen gibt, die wir nicht kennen. Wir haben 50 Jahre gekämpft. Der Kampf ist vorbei.“ Sie sind sehr erfreut darüber, dass die Bundesregierung ihr Versprechen gehalten hat, die Archive zu öffnen und eine Kommission einzusetzen.

Am 5. September 1972 töteten palästinensische Terroristen zwei Athleten des israelischen Teams und nahmen neun weitere als Geiseln. Bei einem gescheiterten Rettungsversuch deutscher Einsatzkräfte am Flughafen Fürstenfeldbruck wurden alle neun Geiseln, ein Polizist und fünf von acht Terroristen getötet. Die überlebenden Geiselnehmer wurden kurz nach der Entführung einer Lufthansa-Maschine durch ein palästinensisches Kommando freigelassen.

München, 1972: Ein bewaffneter Polizist im Trainingsanzug sichert den Block im Olympischen Dorf, in dem Terroristen israelische Geiseln festhalten.

Bild: dpa

„Nach 50 Jahren Kampf sind wir zur Ruhe gekommen“

Viele Details, insbesondere die versuchte Befreiungsaktion, sind noch unklar. Ilana Romano, die Frau eines ermordeten Gewichthebers, hofft auf die Wahrheit. „Nach 50 Jahren des Kampfes sind wir jetzt zur Ruhe gekommen. Jetzt, wo der Kampf vorbei ist, bleiben die Taten“, sagt sie.

Sie ist überzeugt, dass das heutige Deutschland nicht mehr dem der Vergangenheit entspricht und für eine echte historische Aufarbeitung sorgen wird. „Wir haben eine Entschuldigung, ein Mahnmal und eine Entschädigung erhalten, was bleibt, ist eine historische Aufarbeitung in der Hoffnung, dass die Kommission der ganzen Welt die volle historische Wahrheit offenbaren wird.“

Im Frühjahr soll die deutsch-israelische Geschichtskommission ihre Arbeit aufnehmen – zunächst für drei Jahre. Die Mittel dafür hat der Bundestag bereits bewilligt. Staatssekretärin Juliane Seifert sagte, die Bundesregierung, aber auch die Familien der Angehörigen sollten die Arbeit der Kommission genau beobachten.

Aufarbeitung des Olympia-Anschlags von München – Angehörige zeigen sich zufrieden

Jan-Christoph Kitzler, ARD Tel Aviv, 25.1.2023 09:46 Uhr