Skip to content
Arbeitsrechtliche Frage: Muss ich an Feiertagen für den Chef erreichbar sein?

Arbeitsrechtliche Frage
Muss ich an Feiertagen für den Chef erreichbar sein?

Weihnachten ist in vielen Unternehmen ruhig. An anderer Stelle gibt es noch dringende Dinge für den Jahresabschluss zu tun. Was also, wenn plötzlich der Vorgesetzte an einem Feiertag anruft?

In den Weihnachtsferien wollen Mitarbeiter endlich abschalten und die beruflichen Herausforderungen des vergangenen Jahres hinter sich lassen. Das Firmenhandy bleibt stumm, der Laptop-Bildschirm ist schwarz. Bis plötzlich der Chef anruft. Aber müssen Arbeitnehmer ihrem Arbeitgeber an Feiertagen oder im Urlaub überhaupt zur Verfügung stehen?

„Nein“, sagt Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht in Köln. Arbeitnehmer müssen im Urlaub grundsätzlich nicht erreichbar sein. Urlaub dient der Erholung. „An Feiertagen kann jedoch Bereitschaftsdienst nach allgemeinen Grundsätzen vereinbart werden, sofern die gesetzlichen Arbeitszeitvorschriften für die Arbeit an Feiertagen eingehalten werden“, schränkt der Fachanwalt ein.

Mitarbeiter müssen nicht erreichbar sein

Wer ohne Bereitschaftsdienst oder ohnehin im Urlaub ist, muss keine Konsequenzen befürchten, wenn er in dieser Zeit mögliche Kontakte des Arbeitgebers ignoriert. Das gilt laut Oberthür für alle freien Tage. „Beschäftigte sind nicht verpflichtet, in ihrer Freizeit für den Arbeitgeber zur Verfügung zu stehen.“

Auch im Arbeitsvertrag sollte es laut dem Arbeitsrechtsexperten keine Ausnahmeregelungen geben, die beispielsweise eine stundenweise oder ständige Erreichbarkeit an Feiertagen regeln sollen. Nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts aus dem Jahr 2000 (Az.: 9 AZR 405/99) sind solche Vereinbarungen in Arbeitsverträgen regelmäßig unzulässig – zumindest dann, wenn sie sich auf die 24 Arbeitstage beziehen, die jedem Arbeitnehmer gesetzlich zustehen Mindesturlaub.

Nur in Ausnahmesituationen kann es legitim sein, dass der Arbeitgeber versucht, Mitarbeiter zu kontaktieren, die sich im Urlaub oder an Feiertagen befinden. Etwa, „wenn der Arbeitgeber den vereinbarten Arbeitsbeginn auf den nächsten Tag verschieben will“, sagt Oberthür. Auch hier besteht keine Erreichbarkeitspflicht des Arbeitnehmers.

Zur Person: Nathalie Oberthür ist Fachanwältin für Arbeitsrecht und Vorsitzende des Arbeitsrechtsausschusses des Deutschen Anwaltvereins (DAV).