Am Mittwoch streiken die hessischen Einzelhändler

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Auch in Hessen liegen Arbeitgeber und Gewerbetreibende im Streit. Mehr als 60 Verhandlungen später soll bei einem Treffen in Hamburg die Entscheidung fallen.

Frankfurt – Marcel Schäuble hat einen Plan. Der ver.di-Verhandlungsführer in Hessen will den Tarifkonflikt im Einzel- und Versandhandel beenden: „Wir sind gespannt, ob die Arbeitgeber die letzten Monate ungenutzt verstreichen lassen.“

Denn mit den ersten Verhandlungen über Tarife im Einzel- und Versandhandel in Hamburg ergibt sich eine neue Chance. Gleichzeitig findet am Mittwoch, 8. Mai, ein Streik- und Aktionstag statt – ebenfalls in Hessen. Es geht um nichts Geringeres als das Ende der Tarifkonflikte. „Und damit auch die Streiks im gesamten Einzelhandel“, sagt Schäuble, der auch Landesdezernent für den Einzelhandel ist.

Aus Sicht von ver.di sind die Lebenshaltungskosten zu hoch

Dies erfordert jedoch Einsicht seitens der Arbeitgeber. Die wirtschaftliche Situation von Normalverdienern in den verschiedenen Bereichen des Einzelhandels wird seit zwei Jahren von hohen Kosten für das eigene Leben bestimmt. „Ob es um Lebensmittel, Treibstoff oder Energie geht, spielt keine Rolle“, betont Schäuble. Aus Sicht der Gewerkschafter entstehen überall immense Kosten.

Schäuble wirft den Arbeitgebern vor, diese neuen Ausgaben in den bisherigen Gesprächen nicht berücksichtigt zu haben. „Wir hoffen auf ein klares Zeichen der Vernunft in Hamburg, das uns einem Tarifvertrag näher bringt.“

Auch nach 60 Verhandlungsrunden konnte im Tarifstreit im Einzelhandel noch keine Lösung gefunden werden.
Auch nach 60 Verhandlungsrunden konnte im Tarifstreit im Einzelhandel noch keine Lösung gefunden werden. © Michael Bihlmayer/Imago

Handelsverband wirft ver.di Sperrung vor

Im Klartext fordert ver.di in Hessen 2,50 Euro mehr pro Stunde für die rund 235.000 Beschäftigten im Einzel- und Versandhandel. Sowie 13 Prozent, mindestens jedoch 400 Euro, für die rund 120.000 Beschäftigten im Groß- und Außenhandel sowie in Verlagen.

Der Handelsverband Deutschland (HDE) hatte im März eine Lösung des Problems „ohne Tarifvertrag“ vorgelegt. „Nach elf Monaten Tarifstreitigkeiten mit mehr als 60 Verhandlungsrunden bundesweit sind wir zu dem Schluss gekommen, dass ver.di leider kein Interesse an einem zeitnahen Abschluss im Einzelhandel hat.“ „Das ist für uns eine bittere Erkenntnis, zumal wir unser Angebot mehrfach verbessert haben“, sagt HDE-Tarifmanager Steven Haarke.

Darstellung der Reallöhne von 2008 bis 2023: Tatsächlich sind die Reallöhne für Arbeitnehmer in den letzten Jahren deutlich eingebrochen. Der Reallohn ist der tatsächliche Verdienst, der den Arbeitnehmern zur Verfügung steht. © Statistisches Bundesamt (Destatis)

Gewerkschaft ruft zum Streik auf – Rewe, Penny und Ikea betroffen

Der Streik wird am Mittwoch, 8. Mai, von mehreren Mitarbeitern größerer Ketten stattfinden. Hierzu zählen laut Verdi:

  • Galeria Karstadt Kaufhof
  • Galeria-Markthalle
  • H&M Hennes & Mauritz
  • Ikea
  • Kaufland
  • Metro
  • Douglas Parfümerie
  • Penny
  • Primark
  • Rewe-Logistik
  • Rewe-Verkauf
  • Zara

In größeren Städten werden die Streikenden Flugblätter an Kunden und Mitarbeiter verteilen, um während der Verhandlungen auf die Situation aufmerksam zu machen. Die Leser werden gebeten, sich per E-Mail an den Handelsverband Hessen zu wenden, um sich für eine Lösung des Tarifstreits einzusetzen.

„Wir streben weiterhin eine baldige Beilegung des Tarifstreits an. Dazu muss die Gewerkschaft ver.di endlich ihre Blockadehaltung aufgeben“, betont Haarke. (Sören Kemnade)

Ver.di machte kürzlich durch Streikaufrufe im öffentlichen Nahverkehr auf sich aufmerksam.

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