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Allianz Trade Studie: Starker Anstieg der Insolvenzen befürchtet


Stand: 27.10.2022 14:15 Uhr

Der Kreditversicherer Allianz Trade rechnet in diesem Jahr mit einem Anstieg der weltweiten Insolvenzen um zehn Prozent. 2023 könnte sich die Lage deutlich verschärfen. Im Vergleich sei Deutschland aber „vergleichsweise robust“.

Steigende Energiepreise, Lieferkettenprobleme und die deutliche Abkühlung der Wirtschaft setzen Unternehmen weltweit zu. Angesichts der drohenden Rezession ist die Bereitschaft der Unternehmen, neues Personal einzustellen, so schlecht wie seit anderthalb Jahren nicht mehr. Das Beschäftigungsbarometer ist im Oktober um 1,7 auf 97,7 Punkte gefallen, wie das Ifo-Institut in seiner monatlichen Umfrage unter Tausenden von Unternehmen mitteilte.

Mit dem wirtschaftlichen Abschwung nehmen jedoch auch Unternehmensinsolvenzen zu. Der Kreditversicherer Allianz Trade rechnet in einer neuen Studie mit einer deutlich härteren Insolvenzsituation im kommenden Jahr.

Die Experten des Kreditversicherers gehen davon aus, dass die weltweiten Insolvenzen im zu Ende gehenden Jahr um zehn Prozent und 2023 um 19 Prozent zunehmen werden. In Deutschland beträgt der Anstieg in diesem Jahr fünf Prozent und weitere 17 Prozent im Jahr 2023 auf 17.150 Fälle dürfte im Vergleich etwas moderater ausfallen – und von niedrigem Niveau kommend. „Deutschland ist im internationalen Vergleich vergleichsweise robust, auch wenn die aktuellen Herausforderungen an der heimischen Wirtschaft nicht spurlos vorbeigehen“, sagte Milo Bogaerts, Leiter der Allianz-Tochter im deutschsprachigen Raum.

Im ersten Halbjahr 2023 droht ein Zinsschock, der in Kombination mit steigenden Löhnen viele Unternehmen hart treffen dürfte. Aufgrund der hohen Kassenbestände können viele Unternehmen dies im laufenden Jahr noch abfedern, 2023 wird es aber für viele knapper.

Schlechtere Aussichten in den Nachbarländern

Laut Bogaerts von Allianz Trade gibt es in Deutschland erstmals einen spürbaren Anstieg der Insolvenzen, wenn auch weniger stark als in vielen Nachbarländern. Die Bau-, Transport-, Telekommunikations-, Maschinen- und Anlagenbau-, Einzelhandels-, Haushaltsgeräte-, Elektronik-, Automobil- und Textilindustrie sind vor dem Hintergrund eines geringen Wirtschaftswachstums am stärksten von steigenden Finanzierungs- und Arbeitskosten bedroht.

Neben Deutschland gehören laut Allianz Trade die USA, China, Italien und Brasilien zu den Ländern mit einem anhaltend niedrigen Insolvenzniveau. Allerdings hat die Trendwende in den meisten Ländern bereits stattgefunden, insbesondere in wichtigen europäischen Märkten wie Großbritannien, Frankreich, Spanien, den Niederlanden, Belgien und der Schweiz. Insgesamt seien die Aussichten für ganz Europa aber alles andere als rosig, so Bogaerts.

„Zunehmende Insolvenzen sind in den meisten Ländern bereits Realität“, sagt Chefinsolvenzanalyst Maxime Lemerle. „Zwei Drittel des Anstiegs entfallen auf die wichtigsten europäischen Märkte.“ In China rechnet Allianz Trade mit einem Anstieg der Insolvenzen im Jahr 2023 um 15 Prozent, in den USA könnte der Anstieg aufgrund verschärfter geld- und finanzpolitischer Rahmenbedingungen sogar 38 Prozent betragen.

Kleine Unternehmen stärker betroffen

Vor allem kleinere Unternehmen sind den Angaben zufolge derzeit überdurchschnittlich betroffen. „Große globale Insolvenzen, wie wir sie 2021 und insbesondere 2020 trotz der geringen Fallzahlen gesehen haben, sind derzeit nicht die Treiber hinter dem globalen Anstieg“, hieß es. „Insgesamt zählten die Experten von Allianz Trade in den ersten drei Quartalen 2022 weltweit 182 Großpleiten, verglichen mit 187 und 332 im gleichen Zeitraum 2021 und 2020.“

„Angesichts der zahlreichen aktuellen Herausforderungen verwundert es nicht, dass Insolvenzen wieder zunehmen“, sagt Milo Bogaerts. Allerdings handelt es sich dabei zunächst um eine schrittweise Normalisierung des Insolvenzverfahrens.

Aussichten auf staatliche Hilfen

Wie das Statistische Bundesamt Mitte Oktober mitteilte, ist die Zahl der regulären Insolvenzanträge von Unternehmen in Deutschland im September gegenüber August um 20,6 Prozent zurückgegangen. „In der aktuellen Situation hat die Aussicht auf weitere staatliche Hilfen sicherlich dazu beigetragen, dass einige Anträge nicht gestellt wurden“, sagte Christoph Niering, Insolvenzverwalter und Vorsitzender des Berufsverbandes der Insolvenzverwalter und Sachwalter in Deutschland (VID). „Der aktuelle Anstieg der Insolvenzzahlen führt nicht zu einer Massenarbeitslosigkeit. Im Gegenteil: Die vom insolvenzbedingten Arbeitsplatzverlust betroffenen Arbeitnehmer finden derzeit innerhalb kürzester Zeit eine neue Stelle.“

Bislang haben staatliche Stützungsmaßnahmen als Puffer gewirkt und beispielsweise 2.600 Unternehmen in Deutschland vor der Pleite bewahrt, wie Ökonomen der Allianz Trade schätzen. „Sollte sich die Energiekrise verschärfen und die Rezession schlimmer ausfallen als bisher erwartet, werden die aktuellen Maßnahmen nicht ausreichen, um eine Pleitewelle abzufedern, und es könnte zu einem deutlichen Anstieg der Insolvenzen kommen“, warnen sie. „Das Insolvenzverfahren bleibt also volatil und stark abhängig von der weiteren Entwicklung der staatlichen Unterstützung.“

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