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Für die Restaurierung des Tores am Prater müssen Teile des Gewölbes entfernt werden.

Foto: o. J./Patrick Volknant

„Als Bauherr freut man sich nicht immer sofort über solche Funde“, sagte Pankows Bezirksbürgermeister Sören Benn (l.) am Donnerstagmorgen, als er vor dem Tor zum historischen Prater stand. Ein Gerüst schränkt den Blick auf das Gewölbe ein, was bei der seit 2019 andauernden Restaurierung für eine große Überraschung sorgte. Bereits zu Beginn der Arbeiten war eine Dekoration aus den 1860er Jahren bekannt. Doch dann kam beim Entfernen der Farbschichten ein noch älteres, zweites Gemälde zum Vorschein, das aus der Jahrhundertwende stammen soll.

Neben materiellen Schwierigkeiten im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine bedeutet der Fund, dass die Fertigstellung des Praters laut Benn noch in weiter Ferne liegt: »Wir haben die Pflicht, nach Wegen zu suchen, solche Dinge freizulegen und dem Bundesgerichtshof zu präsentieren Öffentlichkeit.« Die vielen Die Anforderungen, die das Projekt nun mit sich bringe, erfordern laut dem Linken-Politiker „starke Nerven“.

Andreas Schudrowitz kann das bestätigen. „Die größte Mühe, die wir hier investieren, steckt in dieser Version aus der Jahrhundertwende“, sagt der Restaurator, dessen Firma mit der Aufgabe betraut wurde, den Prater wieder salonfähig zu machen. Ein Teil der hölzernen Gewölbekonstruktion des Tores war stark von Hausschwamm befallen. Immer wieder müssen Teile herausgesägt und wieder eingesetzt werden – ohne die Statik des Bogens zu beeinträchtigen. „Man muss auch ein bisschen naiv sein, wenn man so etwas anfängt“, sagt Schudrowitz und lacht. „Da dürfen wirklich keine Fehler passieren.“

Die Restauratoren werden nicht alle historischen Gemälde im Torbogen restaurieren können. Geplant ist, die fehlenden Teile stehen zu lassen, um „den Verlust darzustellen“, wie Schudrowitz es ausdrückt. Auch das unscharf gewordene Gemälde aus den 1860er Jahren soll hinter Belichtungsfenstern erhalten bleiben.

Der voraussichtliche Eröffnungstermin für den Prater wurde bereits einmal verschoben. Die Herausforderungen am Torbogen sorgen nun dafür, dass der Landkreis nun von einer Fertigstellung bis Frühjahr 2023 spricht. Ursprünglich war die Rede von 2020. Einen konkreten Termin will Pankow nicht nennen, 75 Prozent der Arbeiten seien mittlerweile abgeschlossen.

„Wir haben extreme materielle Sorgen und das kostet uns Zeit“, sagt Christina Lindemann, die im Prater mit der Projektleitung betraut ist. „Stahl und Bitumen sind schon lange nicht mehr da.“ Einige der Materialpreise haben sich verdoppelt. Lindemann rechnet derzeit mit Gesamtkosten von rund zwölf Millionen Euro. Aber sie sind alle bedeckt. Die Sanierung des Praters wird aus dem Förderprogramm „Städtischer Denkmalschutz“ mit Mitteln der Senatsverwaltung für kulturelle Angelegenheiten und des Landkreises finanziert. Auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz beteiligt sich mit 75.000 Euro an der Sanierung.

Auch wenn der Durchgang durch den Prater zu einem Prunkstück der Restaurierung wird, ist es doch letztlich die ersehnte Wiedereröffnung des angrenzenden Kulturzentrums. Herzstück des Gebäudes ist ein meterhoher Theatersaal, der ebenfalls nach historischem Vorbild restauriert wird. Unter ihrer goldenen Decke und zwischen orangefarbenen Wänden sorgt die Volksbühne künftig für Unterhaltung. Laut Lindemann sind 295 Sitzplätze für das Theater geplant. Was während der Aufführungen in der altehrwürdigen Halle erlaubt sein soll und was nicht, muss allerdings noch diskutiert werden.

Pankow hingegen hat seine Pläne begraben, den angrenzenden Prater-Biergarten im Stil der DDR-Moderne umzugestalten. Der Mieter des Biergartens hatte gegen das Projekt geklagt und Recht behalten. Nach Angaben von Bezirksbürgermeister Benn hat der Bezirk seinen Berufungsantrag nun zurückgezogen.



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