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Deutschland Nachrichten

Abwahl oder Abgang von Infantino?: Europas Fußball-Streit mit der Fifa eskaliert

Infantino abgewählt oder Ausstieg?
Der europäische Fußball eskaliert Streit mit der FIFA

Der Fifa-Präsident wird im März wiedergewählt, bislang gab es keinen Gegenkandidaten für Amtsinhaber Gianni Infantino. Der DFB distanziert sich von den Schweizern, auch andere europäische Verbände wünschen sich einen anderen Fußball-Boss. Sogar das EU-Parlament stimmt über die WM in Katar ab.

Auch nach dem Zeichen der Fußball-Nationalmannschaft reißt die Kritik an der Fifa nicht ab. Das EU-Parlament verurteilte in seinem WM-Beschluss das Verhalten des Weltverbandes und Katars, der Deutsche Fußball-Bund (DFB) berät die anderen „Rebellen“ beim weiteren Vorgehen. Es geht längst nicht mehr nur um das Verbot des „One Love“-Verbandes. Selbst das Verlassen der FIFA ist der ultimative Schritt im Raum.

„Wir diskutieren das seit August in der nordischen Region“, sagte der dänische Verbandschef Jesper Möller zu den Plänen der mit dem DFB verbündeten Skandinavier: „Wir müssen auswerten, was passiert ist, und dann müssen wir eine Strategie entwickeln – auch mit unserer Nordische Kollegen.“

Dazu passt, dass sich der norwegische Verband unter Führung von Fifa-Kritikerin Lise Klaveness öffentlich dem DFB angeschlossen hat. Wie der deutsche Verband haben sich auch die Norweger geweigert, den umstrittenen Weltverbandspräsidenten Gianni Infantino auf dem Weg zu seiner Wiederwahl zu unterstützen. Der schwedische Verband erklärte derweil, auch zur FIFA-Opposition zu gehören.

EU-Parlament will mehr Druck auf FIFA

„Wir bei der NFF vertrauen nicht darauf, dass Infantino der richtige Anführer ist, um uns voranzubringen“, sagte Klaveness. Der 41-Jährige bedauert, dass es für die Wahl im März 2023 keinen Gegenkandidaten aus Europa gibt. Die NFF unternahm „viele Versuche“, jemanden zum Laufen zu bringen – aber alle lehnten ab. Sie selbst wollte nicht gegen Infantino antreten, dessen Wiederwahl als sicher gilt.

Das EU-Parlament hat dafür wenig Verständnis. Die Resolution vom Donnerstag prangert unter anderem Korruptionsverdacht bei der WM-Vergabe, den Tod von Gastarbeitern, sogenanntes „Sportswashing“ und den Umgang mit der LGBTQ+-Community in Katar an.

Das Parlament forderte vor allem EU-Länder mit großen Ligen wie Deutschland auf, Druck auf die Fifa auszuüben. Der Vergabeprozess muss transparenter werden und die Einhaltung der Menschenrechte sollte eine wichtige Rolle spielen. Auch der Entschädigungsfonds für die Angehörigen verletzter oder toter Gastarbeiter muss eingerichtet werden.

DFB ist „mit dem Verhalten nicht zufrieden“

Viele Abgeordnete trugen bei der Abstimmung die „One Love“-Armbinde. Die Befürworter der Resolution erhoben sich auch, um der FIFA im übertragenen Sinne die „gelbe Karte“ zu zeigen. Unterdessen sagte Innenministerin Nancy Faeser in Berlin, sie habe Infantino im ersten WM-Spiel der Nationalmannschaft gegen Japan (1:2) persönlich gesagt, dass sie die Sperre der Fifa „als großen Fehler“ betrachte. Sie „äußerte ihren Protest“ mit der „One Love“-Bandage auf ihrem Arm.

Auch Bernd Neuendorf spricht mit Infantino. Der DFB-Präsident wollte den Austausch mit den Schweizern über das Japan-Spiel nicht überbewerten, Neuendorf präzisierte seinen Standpunkt aber noch einmal. „Wir sind in der Sache noch klar. Das weiß auch Gianni Infantino“, sagte der DFB-Boss in der ARD: „Wir sind mit dem Verhalten der Fifa nicht zufrieden.“ Neuendorf betonte die Bedeutung des größten Einzelsportverbandes der Welt: „Wir können erwarten, dass ein so großer Verband ordentlich mit dem allergrößten Verband (Einzelsportverband, Anm. d. Red.) – nämlich dem DFB – umgeht.“

Nicht nur die Skandinavier fragen sich, ob es überhaupt Geschäfte mit der FIFA geben soll. Die Nachhaltigkeitsinitiative „Sports for Future“ forderte den DFB zum Austritt aus der Fifa auf und brachte „die Gründung eines alternativen Weltverbandes“ ins Spiel. Zudem sollen die Sponsoren ihre Partnerschaft mit dem Weltverband beenden.

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