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Deutschland Nachrichten

92 Prozent der Bäume krank (nd-aktuell.de)


Umweltminister Axel Vogel (Grüne) untersucht am Montag Bäume im Seddiner Wald.

Foto: dpa/Monika Skolimowska

Dem Brandenburger Wald geht es laut Umweltminister Axel Vogel (Grüne) so schlecht wie noch nie seit der Einführung der bundesweiten Bewertungskriterien im Jahr 1991. Das ist das Ergebnis des Waldzustandsberichts, den Vogel am Montag vorgestellt hat. Anhaltende Hitze und Trockenheit haben die Bäume im vergangenen Jahr zusätzlich gestresst, was zu nachhaltigen Schäden geführt hat. Leichte Verschiebungen in den Befunden seien kein Hoffnungsschimmer, so der Minister. Nur acht Prozent der Bäume im Land sind unbeschädigt, in den Berliner Wäldern sind es nur vier Prozent. Vor vier Jahren waren in Brandenburg noch 44 Prozent der Bäume gesund. Gerade den „Hausbäumen“ in der Mark gehe es nicht gut, fügte der Minister hinzu. Er verwies auf negative Entwicklungen bei Kiefer, Buche und Eiche. Der Niederschlag eines ganzen Jahres fehlte in der Bilanz des Wasserhaushaltes.

Abteilungsleiter Carsten Leßner erklärte, dass die Hälfte aller Eichen „erhebliche Schäden“ aufweisen und einen Großteil ihrer Blätter abwerfen. Einerseits reduziert dies den Wasserverbrauch des Baumes, der sich auf diese Weise vor Trockenheit schützt. Andererseits fehlen die Blätter für die Photosynthese, also für die Sauerstoffproduktion.

504 gezählte Waldbrände im Land seien „rekordverdächtig“, sagte Minister Vogel. Die gute Nachricht: 480 Brände hätten im Keim erstickt werden können. Sie hätten sich jeweils auf weniger als einen Morgen ausgedehnt. Das spricht für die Funktionalität des Frühwarnsystems. „Wenn es noch Raum für Verbesserungen gibt.“ Denn es gab auch vier Großbrände, bei denen es zu Bränden kam
jeweils mehr als 100 Hektar gingen in Flammen auf. Besonders betroffen war der Elbe-Elster-Kreis, wo insgesamt 750 Hektar Wald zerstört wurden.

Das Problem ist das im Wald aufgetürmte Totholz, das im Brandfall aufgrund der enormen Hitze, die tief in den Boden eindringt, nur sehr schwer zu löschen ist. Insektenschäden beschädigen und töten auch Bäume. Die Wiederaufforstung stößt an ihre Grenzen – und damit auch die Umstellung weg von der traditionellen Kiefern-Monokultur hin zu einem naturbelassenen Mischwald mit mindestens drei Baumarten.

Wie Forstwissenschaftlerin Ulrike Hagemann sagte, besteht nun auf der Hälfte der Flächen Handlungsbedarf. Von den rund 500.000 Hektar Wald im waldreichsten Bundesland Deutschlands wird der Umbau auf gerade einmal rund 2.500 Hektar pro Jahr bewirtschaftet. „Wenn wir das Tempo nicht erhöhen, dauert der Waldumbau noch 200 Jahre. Es ist eine Generationenaufgabe. Aber diese Zeit haben wir nicht mehr“, sagt Hagemann.

Die Waldumwandlung wird durch die hohe Wilddichte erschwert, da Tiere die jungen Triebe abknabbern. Die Abschottung der Neuanpflanzungen mit Zäunen ist laut Hagemann nur eine bedingte Lösung. Denn einerseits kann man eine halbe Million Hektar Wald nicht einzäunen, andererseits ist zu beobachten, dass die so ferngehaltenen Wildtiere dann umso heftiger die nicht eingezäunten Wälder angreifen. Wegen der relativ hohen Kosten und ungewissen Erfolgsaussichten scheuen Waldbesitzer oft die Kosten für einen effektiven Waldumbau. Die Förster setzen auf verstärkten Abschuss, um den Wildbestand wieder auf den Wert der 1960er und 1970er Jahre zu bringen.

Trotz deutlich mehr Kills reichten bisher alle Bemühungen nicht aus. In den 1960er Jahren wurden im Jahresdurchschnitt 3.000 Rothirsche geschossen, verglichen mit durchschnittlich 11.000 in den Vorjahren. Beim Damwild sei das Verhältnis ähnlich, heißt es. Die Experten sind sich einig: Das reicht nicht. Auch der nach Brandenburg zurückgekehrte Wolf bewirkte keinen messbaren Rückgang des Rotwildbestandes. Umweltminister Vogel hatte versucht, in einem neuen Jagdgesetz die Hürden für den Abschuss zu senken. Doch er stieß auf Widerstand des Landesjagdverbandes und Koalitionspartners CDU. Seine Wut darüber sieht man ihm an. Ohne neue gesetzliche Rahmenbedingungen könne der notwendige Waldumbau keinen Durchbruch erzielen, sagte er. „Niemand braucht ein Placebo-Gesetz.“

„Wenn nur acht Prozent der brandenburgischen Waldbäume kerngesund sind, ist das ein Alarmsignal“, reagiert Landtagsabgeordneter Thomas Domres (Linke). »Es muss dringend etwas getan werden.« Der Umbau des Waldes sei in der Tat wichtig. „Aber was bisher passiert ist, gleicht eher einer Behandlung in homöopathischen Dosen: Hier etwas mehr Beratung, dort ein paar Subventionen mehr.“ Gleichzeitig werde aber die Finanzierung immer komplizierter und die Forstverwaltung weiter ausgedünnt, kritisierte Domres.



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