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Wirtschaft und Börse

263.000 Menschen ohne festen Wohnsitz (nd-aktuell.de)


Obdachlosigkeit ist selten sichtbar.

Foto: Imago/Michael Gstettenbauer

Wenn ein Problem in Umfang und Struktur nicht verstanden wird, ist es zwecklos, es zu bekämpfen. Das soll sich nun in Bezug auf die Not der Menschen ohne eigene Wohnung ändern. Über eine Viertelmillion, rund 263.000 Menschen, sind hierzulande obdachlos. Das geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten ersten Wohnungslosenbericht des Bundessozialministeriums hervor.

Grundlage des neuen Berichts ist das 2020 in Kraft getretene Wohnungslosenmeldegesetz. Dieses besagt, dass die Bundesregierung alle zwei Jahre in einem bundesweiten Bericht das Ausmaß und die Struktur der Wohnungslosigkeit in Deutschland erfassen muss. Ziel ist es, die Obdachlosigkeit bis 2030 zu beenden. Das ist eine Forderung des EU-Parlaments, die Ampelparteien haben das Ziel in ihren Koalitionsvertrag aufgenommen.

Dem Bericht zufolge wird Obdachlosigkeit in verschiedene Kategorien eingeteilt. Demnach leben 37.400 Menschen ohne Obdach auf der Straße. Dazu gehört neben dem Leben auf der Straße auch das dauerhafte oder dauerhafte Wohnen in Zelten oder Autos, Abbruchhäusern oder Garagen. »Der heutige Bericht ist der erste, der einen gesamtdeutschen Überblick über die Situation von Wohnungslosen gibt. Die Obdachlosen, denen wir täglich im öffentlichen Raum begegnen, sind nur die Spitze des Eisbergs“, erklärte Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) am Donnerstag.

Dem Bericht zufolge sind 49.300 Menschen heimlich obdachlos, das heißt, sie wohnen vorübergehend bei Freunden oder Familienmitgliedern. Sie schlafen zwar in festen Wohngebäuden mit Zugang zu sanitären Einrichtungen, haben aber keinen eigenen Mietvertrag und sind daher abhängig. Auch sie sind häufig von Ausbeutung und Missbrauch betroffen. Zudem hindert sie das Fehlen einer festen Wohnung, ebenso wie Obdachlose, an Bildung, politischer Teilhabe, Erwerbsarbeit und am gesellschaftlichen Leben. 178.100 Menschen waren Ende Januar 2022 in Heimen untergebracht. Darüber hinaus sind rund 6.600 Kinder und Jugendliche in Deutschland obdachlos. Davon leben etwa 1.100 mit ihren Eltern oder einem Elternteil auf der Straße und 5.500 sind obdachlos. Berücksichtigt man mögliche Doppelregistrierungen, liegt die Gesamtzahl der Opfer bei knapp 263.000. Aufgrund der Schwierigkeit der Aufzeichnung erhebt der Bericht jedoch keinen Anspruch auf Gesamtschau.

Dem Bericht zufolge sind fast zwei Drittel der Obdachlosen männlich, ein gutes Drittel weiblich und zwei Prozent divers, oder es lagen keine Angaben vor. Im Durchschnitt sind Wohnungslose ohne Unterkunft mit 44 Jahren deutlich älter als untergebrachte oder versteckte Obdachlose mit 32 oder 35 Jahren. Die Bundesregierung legte auch Daten zur Staatsangehörigkeit vor: Demnach haben mehr als zwei Drittel der Obdachlosen ohne Unterkunft und drei Viertel der verdeckten Obdachlosen die deutsche Staatsangehörigkeit. Insgesamt 29 Prozent der Obdachlosen haben eine andere Staatsbürgerschaft oder gelten als staatenlos.

Die Gründe für Obdachlosigkeit sind vielschichtig. Nicht wenige hatten noch nie eine eigene Wohnung. Von denen, die zuvor eine Wohnung besaßen, verlor fast die Hälfte diese ausschließlich oder auch wegen Mietrückständen. Als weitere Gründe für den Wohnungsverlust wurden Haftstrafen (neun Prozent), gefolgt von Trennung und Scheidung (acht Prozent), mietwidriges Verhalten und Nachbarschaftskonflikte (jeweils fünf Prozent) genannt. Andere, seltener genannte Gründe sind familiäre oder persönliche Gründe, Krankheit, Arbeitsplatzverlust, häusliche Gewalt oder Abriss, Renovierung und Wohnungsnot.

Mehr als die Hälfte der Obdachlosen haben erfolglos Hilfe gesucht
Wohnungsverlust verhindern. Gut ein Drittel bat das Jobcenter, die Stadt oder eine Beratungsstelle um Hilfe. Fast ein Viertel hat erfolglos versucht, mit Vermietern zu verhandeln, und 16 Prozent haben um einen Kredit gebeten. „Unser Sozialstaat ist mit umfangreichen Hilfen für alle Menschen da, die in Not sind“, sagte Bundessozialminister Hubertus Heil (SPD) zum Obdachlosenbericht. „Trotzdem gibt es Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen kein eigenes Zuhause haben. Mit den nun vorliegenden Daten schärfen wir den sozialstaatlichen Fokus auf dieses Thema und tragen zu einer gezielten Hilfe gegen Wohnungslosigkeit bei.«

Auch das Leben ohne eigene Wohnung ist von gesundheitlichen Problemen geprägt. Laut der Umfrage geben 31 Prozent der verdeckten Obdachlosen ihren Gesundheitszustand als „weniger gut“ oder „schlecht“ an, im Vergleich zu 40 Prozent der Obdachlosen ohne Unterkunft. Sie sind insgesamt häufiger von Suchterkrankungen, körperlichen und psychischen Erkrankungen betroffen als Menschen mit einer eigenen Unterkunft.

„Wenn die Ampelkoalition jetzt nicht schnell handelt, wird sie definitiv an ihrem eigenen Anspruch scheitern, die Obdachlosigkeit bis 2030 zu beenden“, sagte Maria Loheide, Sozialpolitische Leiterin der Diakonie Deutschland, am Donnerstag. Der Obdachlosenbericht liefert wichtige Erkenntnisse. Allerdings sei die Dunkelziffer um einiges höher: „Nicht alle Wohnungslosen aus den genannten Gruppen werden erfasst und andere nicht als Wohnungslose gezählt, aber sie sind: Frauen in Frauenhäusern, Menschen in Gefängnissen oder Flüchtlinge mit einem anerkannten Anspruch auf Wohnungslosigkeit Asylbewerberinnen und Asylbewerber leben müssen, weil sie keine eigene Wohnung finden“, sagt Loheide.



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